Gute und böse Zeit eilt schnell dahin, als flögen wir davon. So waren auch zwei Jahre vergangen in einer Lebensweise, die dem freien Wanderburschen erst ganz unerträglich geschienen. Er war nun fertig und geschickt in allem, das ein guter Soldat leisten muß. Man mißhandelte ihn nicht mehr; ja, seine und des Freundes Lage hatte sich sogar etwas verbessert. Ein wohlmeinender Offizier, von guter Bildung und feinen Sitten, wie es deren immer eine Anzahl gab, war an die Spitze der Truppe getreten, der die Freunde angehörten, und hatte bald erkannt, daß sie besserer Art waren als ihre Genossen. Er brauchte sie zu allerlei Arbeiten und Dienstleistungen, gewährte ihnen eine kleine Zulage zum geringen Sold und stellte sie beim Exerzieren nebeneinander. Das letztere war beiden am wertvollsten. „Wenn’s einmal in den Krieg geht“, sagte Johannes, „marschieren wir zusammen; und wenn ich falle, rufst du mir ein Abschiedswort zu!“

Nun, für jetzt war eben erst ein Krieg beendet, den man den ersten Schlesischen nennt. Siegreich kehrte der junge König in seine Hauptstadt zurück, und nun sollte ihn Friedel endlich zu sehen bekommen.

Wie eine Mauer stand das ganze Regiment auf dem Paradeplatze; die beiden Freunde in der vordersten Reihe. Langsam ritt, von einigen Offizieren umgeben, ein kleiner Mann die Front entlang. Gerade da, wo Johannes und Friedel standen, hielt er ein wenig inne, so daß sie ihn genau betrachten konnten. Freilich sah er ganz anders aus, als der Salzburger sich einen König vorgestellt; er trug weder Purpurmantel noch Goldkrone, sondern den schlichten blauen Soldatenrock. Johannes aber sagte später dem Freunde, ein großer Geist spreche aus diesen klaren, tiefen Augen, diesem charaktervollen Mund und der hohen, gedankenreichen Stirn.

Bald merkte man die Wahrheit dieser Rede; denn der König begann tatkräftig und unermüdlich für das Wohl seiner Untertanen, auch für die Hebung des Offizierstandes zu sorgen. Er erschien nicht selten selbst auf den Übungsplätzen, redete einzelne Soldaten an, nicht mit „Kerl“ oder irgendeinem Schimpfwort, sondern mit dem freundlichen „Mein Sohn“. Soweit sein Auge reichte, wurden die groben Mißhandlungen viel seltener. Daß die Zucht hart und streng und die Strafen grausam blieben, lag im Geiste der Zeit.

Aber kaum zwei Jahre lang konnte der große König in Frieden für sein Volk sorgen, dann mußte er schon wieder zu den Waffen greifen, um sich das erkämpfte Land Schlesien, das sich unter seiner Herrschaft sehr wohl befand, zu sichern. Gar zu gern hätten es ihm die Österreicher wieder weggenommen. Schon rüsteten sie gegen ihn mit ihren Bundesgenossen. Da beschloß er ihnen zuvorzukommen. Diesmal sollte auch Friedels Regiment mit in den Kampf ziehen. Gar gewaltig ward nun geübt und vorbereitet; in den seltenen Ruhestunden aber saß der Jüngling mit heißen Wangen und glänzenden Augen über dem wunderbaren Landkartenbuch, um sich die Lage der einzelnen deutschen Länder fest einzuprägen.

Als die Freunde eines Abends allein beisammen waren, fragte Friedel:

„Sag’ mir doch, Johannes: Wenn ich nun hier in Salzburg wäre, da, wo ich mit dem Finger hinzeige, wie müßte ich’s denn machen, um ans Meer zu kommen?“

„An welches denn? Ich lehrte dich viele Meere kennen.“

„Ei, ans Atlantische! Du sagtest ja, da gehe der Weg nach Amerika.“

„Was fällt dir ein? Du mußt ja in den Krieg!“