„Er schafft im Garten; Peter und seine Leute sind auf dem Felde.“
Albrecht kam. Der Vater gab ihm einen kleinen Schlüssel, den er unterm Kopfkissen verborgen hatte. „Geh’ in den hinteren Keller“, sprach er, „und öffne die Tür in der linken Ecke. Noch nie öffnete sie eine andere Hand als die meine. Was du in dem Loch findest, das bringe her.“
Es währte eine Weile, ehe Albrecht wiederkam, denn das Schloß war sehr verrostet gewesen. Er trug eine kupferne Schachtel, die schwer und fest geschlossen war. Mühsam richtete sich der Greis im Bette auf und öffnete, auf eine verborgene Feder drückend, den Deckel. Mit Staunen sah Friedel, daß das Gefäß bis zum Rande mit Gold- und Silbermünzen gefüllt war.
„Das ist der Sparpfennig meines langen arbeitsreichen Lebens; ja, ein Teil davon stammt noch von meinem Vater her. Gott segnete mich so reich, daß ich es zurücklegen konnte, ohne jemand davon zu sagen. Du, mein Albrecht, warst mir ein treuer Sohn, und dir, als dem Ältesten, gebührt von Rechts wegen der Steinhof. Aber du hast das gute Teil erwählt und willst in die Fremde ziehen, um Gottes Wort zu haben mit den Deinen. Nimm jenes Tuch und breite es vor mir aus.“
Albrecht gehorchte, und der Alte schüttete ungezählt ein Häuflein Gold und Silber hinein. „Dies nimm zur Gründung einer neuen Heimat und zur Erziehung deiner noch unversorgten Kinder.“
Nun forderte er noch ein Tüchlein, füllte es mit geringerer Menge und reichte es Friedel. „Dies ist dein, zum Dank für das heilbringende, unbezahlbare Buch; und dem holden Mägdlein zum Dank dafür, daß es mich wie ein Engel gepflegt. Es ist zart und fein; du mußt es wohl hüten und gut halten auf der langen Reise. Dies dritte Teil aber verschließt wieder im Keller. Peter wird es nach meinem Tode finden, und vielleicht wird er’s nötig haben; denn ich fürchte, daß Gottes Segen vom Hofe verschwinden wird, wenn man Gottes Wort daraus vertreibt.“
Erschöpft lehnte er sich ins Kissen zurück. Beide küßten seine Hände und dankten ihm mit Tränen für die überreiche Gabe. Dann trug Albrecht auf sein Geheiß die Schachtel wieder ins Versteck.
9. Ins Land der Freiheit.
Einige Tage später hielt der wilde Junker oben im Schlößchen ein großes Festgelage, wozu viele vornehme Gäste aus der Umgegend geladen waren. Auch die meisten Hüttenleute waren hinaufgelaufen, um etwas von der Herrlichkeit zu sehen, die lustige Musik von ferne zu hören, und etwa ein Stück übrigen Braten aus der Küche zu erhaschen.