Was der Knabe da von Riesen und Zwergen, Nixen und Feen und wunderschönen Prinzessinnen hörte, erschien dem Großvater höchst unnütz und töricht. Der mildgesinnte Pate aber sprach: „Laß ihn gewähren! Junges Blut will auch Kurzweil haben und heiteres Spiel. Er weiß wohl, daß das doch nur Scherz ist; es tut ihm keinen Schaden. Gott läßt ja auch Blümlein wachsen, nicht nur Korn und Weizen.“
Ach, Friedel sollte bald genug kein Märlein mehr hören! Eines Sonntagmorgens, als er geschäftig alles zum Kirchgang rüsten wollte, sprach der Alte mit beklommener Stimme:
„Brauchst dein neues Wämsli nicht anzuziehen; ’s gibt keinen Kirchgang heute.“
„Aber, Großvater, sieh doch, wie schön die Sonne scheint! ’s ist auch nicht kalt.“
„Das weiß ich wohl; aber ’s Kirchlein ist zugeschlossen.“
„Ei, der Herr Pate hat ja den Schlüssel!“
„Der wird’s nimmer aufschließen“, rief Andreas, plötzlich in Tränen ausbrechend „Er liegt im finstern Kerker, und unser lieber Pfarrer auch!“ Damit barg er das Antlitz in die Hände und schluchzte laut.
Das konnte Friedel nicht ertragen. Er schlang die Arme um seinen Hals, liebkoste ihn zärtlich und schlug vor, schnell alle guten Leute zusammenzurufen und die Gefangenen mit Gewalt zu befreien.
Traurig schüttelte der Großvater den Kopf. „Du sprichst wie ein dummes Kind. Mit Gewalt ist hier nichts getan. Die Zeit der Not und Versuchung ist gekommen; Gott gebe nur, daß wir alle treu bleiben!“ –
Nicht nur die Kapelle des Städtchens hatte man verschlossen, sondern alle protestantischen Kirchen im Salzburger Lande. Die Prediger und Ältesten warf man ins Gefängnis, damit sie ihre Glaubensbrüder nicht stärken und ermahnen konnten. Die verlassenen Gemeinden sollten mit allen nur erdenklichen Mitteln zum Papsttum zurückgeführt werden.