Wie man das Karnickel beschleicht, einen Junghasen würgt, den schlafenden Vogel erwischt, zeigt ihnen die Alte. Sie begreifen gar schnell; denn es liegt ihnen im Blut, sich mäuschenstill heranzupirschen, jede Deckung zu benutzen und selbst in der Freude über den gelungenen Raub keinen Augenblick die eigene Sicherheit aus dem Auge zu lassen.

Ein Vierteljahr mögen die Geschwister alt sein oder wenig darüber, da unternehmen sie bereits auf eigene Faust kleine Streifzüge. Sie stellen sich gegen Morgen gewöhnlich in der gemeinsamen Kinderstube wieder ein; aber gelegentlich suchen sie auch ein anderes Versteck auf.

So lösen sich ganz allmählich die Beziehungen zwischen Mutter und Kind und zwischen den Spielkameraden. Wenn der Herbststurm durch die kahle Heide braust, kennt keins das andere mehr, jedes geht nun seine eigenen Wege und schlägt sich selbständig durchs Leben, das ihm der Gefahren so viele bringt.

Und der Vater?

Er kümmert sich um seine Familie fast gar nicht und ist selten zu Hause; kommt er einmal, gleich gibt's Zank, Beißen und Kläffen zwischen den Eltern, und die Mutter ruht nicht eher, als bis Vater Reineke wieder »verduftet«, in des Worts vollster Bedeutung.

Die Erziehung der Kinder liegt allein auf den Schultern der Fähe; der Rüde hält von Pädagogik nicht das geringste. Seine Losung heißt: »Selber essen macht fett«; darum sieht er auch im Frühjahr wohlgenährt aus, und tadellos ist sein rotbrauner Pelz. Nur wenn die Alte durch ein herbes, Geschick den Jungen geraubt ward, mag es bisweilen vorkommen, daß sich die Väter der vor Hunger kläffenden Kinder erbarmen und ihnen Futter zuschleppen.

Zur Osterzeit gibt's immer junge Füchslein im bewohnten Bau, meist fünf bis sechs, einmal waren es sogar acht.

Möge sich dieser Kreislauf des Lebens mit jedem Lenz, wenigstens hie und da, in unsern deutschen Forsten erneuern!

Es wäre traurig, wenn man ihn ganz ausrottete, den listigen, Ränke schmiedenden Schelm! Dann würde wohl der Förster unsre Enkel an eine Stelle im Wald führen und ihnen erzählen: »Hier färbte die rote Tinte den letzten Fuchs im Revier; man hat ihm das hübsche Denkmal gesetzt wie drüben im Nachbarrevier seinem Vetter, dem Wolf!« Aber mit dem fröhlichen Leben, dem ausgelassenen Spiel vor Malepartus, der Raubburg, wär's dann für immer vorbei.