Die Bläßhühner freilich bieten keine Schwierigkeit; sie sind sofort zu erkennen: hühnerartig plump ihre Gestalt, das ganze Gefieder tiefschwarz bis auf die kreideweiße, weithinleuchtende Stirnplatte. Unruhig sind sie und recht laut; denn eifersüchtige Kämpfe werden jetzt fast beständig unter ihnen ausgefochten. Mit gesenkten Köpfen rudern die Nebenbuhler aufeinander los und prallen heftig schreiend zusammen, oder sie jagen sich, die Wasserfläche mit ihren Lappenfüßen schlagend, über den halben Teich hin, um sich dann schließlich schwerfällig in die Luft zu erheben oder im Schilfwald einzufallen.

Unter den Enten sind die zierlichen Tafelenten die häufigsten; mein Bootsführer, auch andere Leute in der Lausitz nennen sie »Brandenten«, was aber falsch ist. Sie zeigen wenig Scheu, erheben sich beim Nahen unseres Nachens immer zuletzt oder vertrauen auf ihre Fertigkeit im Tauchen. Dreifarbig ist das Kleid des Männchens: rostbraun Kopf und Hals, zartes Grau auf Flügeln und Rumpf; Brust und Hinterteil aber tiefschwarz. Mit etwas eingezogenem Hals schwimmen sie friedlich in großen Trupps umher, kein eifersüchtiges Gezänk, nur zärtlich pfeifende Laute, tauchen gemeinschaftlich, oder es umschwärmen auch ein paar Männchen ein einzelnes Weibchen, diesem immer getreulich folgend, wohin es den Weg nimmt.

Auch die kleinen Krikenten sind in großen Scharen vertreten. Das Gefieder des Erpels ist graugewellt; der dunkelbraune Kopf zeigt einen grünglänzenden Streifen, der sich bis zur Hälfte des Halses herabzieht, aber selbst mit dem Feldstecher aus größerer Entfernung schwerer zu erkennen ist, als der metallisch-grüne und schwarze, weiß eingesäumte Spiegel an den Flügeln. Die Weibchen sind unscheinbar graubraun; doch tragen auch sie, gewissermaßen als Familienwappen, jene Flügelzier. Die kleinsten sind immer die beweglichsten und geschäftigsten. Leicht wie eine Feder erheben sie sich von der Wasserfläche, umkreisen in leichtem Flug den Teich, wobei wir, sobald sie sich uns nähern, deutlich ihre eigentümlich schwingenden Flugtöne vernehmen, und fallen dann wieder in einer seichten Bucht ein, um hier zu gründeln, wobei, wie bei unsern Hausenten, der hintere Körperteil senkrecht aus dem Wasser emporragt; denn ganz unterzutauchen ist nicht ihre Art.

Bedeutend größer als Tafel- und Krikenten sind die Stock- oder Märzenten, die Stammeltern unsres zahmen Hofgeflügels. Sie sind bereits mit dem Nestbau beschäftigt, schwimmen zu Paaren umher oder erheben sich paarweise in die Lüfte, wobei das galante Männchen stets dem Weibchen den Vortritt läßt. Der Stockerpel ist ein prächtiges Tier. Das metallische Grün von Kopf und Oberhals wird durch einen schneeweißen Ring von dem Braun des Unterhalses und der Brust scharf getrennt, und der violett-blau-grüne Spiegel ist gleichfalls ein hübscher Schmuck. Es gibt viele unter unsern Hausenten, die sich Form und Farbe der Federn genau so schön erhalten haben, wie wir's an den wilden »Stocken« bewundern.

Auch die sog. Mittelente bewohnt die weite Fläche des Teiches, wenigstens in einigen Paaren. Aus der Entfernung gesehen, erscheinen diese Enten anspruchslos grau, das Männchen mit einem schwarzen, das mehr bräunliche Weibchen mit einem gelbroten Schnabel.

Viel auffallender sind die Schellenten wegen ihres scheckigen Kleides. Zwei große Felder auf den Flügeln, ebenso Brust und Hals, auch ein Fleck an der Wange hinter dem Schnabel leuchten schneeweiß, während der Rücken tiefschwarz gefärbt ist. Ich habe Schellenten, allerdings nie in besonders hoher Zahl, auf fast allen größeren Teichen der Lausitz gesehen; sie sind, obgleich ihre eigentliche Heimat weiter im Nordosten gelegen ist, für unser Sachsen seit einiger Zeit in recht erfreulicher Zunahme begriffen, und das ist um so verwunderlicher, als sich diese kleinen Enten mit Vorliebe Baumhöhlen, die doch immer seltener werden, zur Brutstätte auswählen. Mir ward von meinem Fährmann eine solche Höhle gezeigt, wo im vorigen Jahre eine »Schelle« ihre Jungen erbrütet hatte: ein Loch in einem wagrechten Ast einer uralten Föhre, gegen 3 m hoch über dem Wasser, der Eingang so eng, daß man nicht recht begreift, wie eine Ente sich hindurchzwängen kann. Hätte wohl sehen mögen, wie die kleinen Entchen aus der dunkeln Höhle mutig den Kopfsturz ins Wasser gewagt haben, ähnlich wie die Lummen von ihrer Helgoländer Felsklippe hinab in die bewegte See.

Die Schellenten hatten sich bei meinem Besuch noch nicht in Pärchen aufgelöst, sondern hielten in größeren Trupps kameradschaftlich zusammen. Ein Vergnügen war's, ihnen zuzuschauen, wie sie unaufhörlich im Wasser verschwanden und dann leicht wie ein Kork wieder auftauchten; bald waren nur wenige, bald gar keine, bald war wieder die ganze Gesellschaft auf der Oberfläche zu sehen.

Von den Taucherarten beherbergt der Teich den großen Haubentaucher in mehreren Paaren, die kleineren Rothalstaucher und die noch viel kleineren Zwergtaucherchen, die in großer Anzahl ihre Künste zeigten, während ich Schwarzhalstaucher hier nicht bemerkte.

Die Haubentaucher, deren weiße Brust bei jeder Wendung des Vogels aufblitzt und wieder verschwindet, waren ziemlich mißtrauisch; sie versanken im Nu unter dem Wasser, wenn sich ihnen unser Boot näherte und tauchten erst in großer Entfernung wieder auf oder erreichten, unter dem Wasser schwimmend, die Nähe des Ufers, wo sie das Schilf unsern Blicken entzog.

Viel weniger Scheu zeigten die Rothalstaucher; ja ein Pärchen, das mit dem Nestbau eifrigst beschäftigt war, ließ mich bis auf wenige Meter herankommen. Wie schön sind doch auch diese Taucher! Rostrot der Hals, die Kehle und zwei Wangenflecken weiß; statt der eigentlichen Haube aber zwei schöne nach hinten gerichtete Federohren. Unermüdlich tauchten die Vögel nach allerlei Wasserpflanzen und legten diese Baustoffe auf die Schilfkaupe, die sie sich zur Niststelle erkoren hatten. Es war schon ein großer Klumpen, naß, schlammig und übelriechend, zusammengetragen; aber den beiden schien's immer noch nicht genug.