Der kleinste der Tauchersippe, der niedliche Zwergtaucher, ließ oft seine trillernde Stimme hören, eine ganze Kette perlender, etwas absinkender Töne, die das Tierchen jedem verraten, der's nur einmal gehört hat. Aber dem Auge zeigte sich das Taucherchen immer nur auf kurze Sekunden; am Rande des Schilfwaldes trieb es das lustigste Versteckspiel oder tauchte unter, sobald es sich beobachtet sah.

Die Lachmöwen, die ihre braune Gesichtsmaske bereits aufgesetzt hatten, waren wohl nur zu Besuch gekommen. Ihr eleganter Flug belebte das Landschaftsbild reizvoll; einige ruhten auch auf der Wasserfläche aus, weißen Seerosen zu vergleichen, oder saßen eng aneinandergereiht auf einer Planke am Ufer. Ihre nächsten Brutplätze haben sie an manchem Teich der preußischen Lausitz.

Von Seeschwalben war natürlich noch keine Art zu erblicken; denn die Fluß- und Zwergseeschwalben kommen erst Anfang Mai. Dagegen zeigte sich in der Höhe ein Fischadler, weite Kreise über dem Gewässer ziehend und dann langsam in der Ferne verschwindend. In der sächsischen Lausitz brütet der edle Fischer nicht mehr; vielleicht daß die Lohsaer Forsten jenseits der preußischen Grenze seinen Horst noch beherbergen.

Aber einen andern Vogel, den wir auch heute noch mit Stolz als sächsischen Landsmann bezeichnen dürfen, konnte ich hier in Deutsch-Baselitz begrüßen, den weißen Storch. Es war mir eine große Freude, den Weitgereisten unmittelbar bei seiner Ankunft willkommen zu heißen.

Wir saßen gerade beim Mittagessen, als das jüngste blondhaarige Töchterchen unsers freundlichen Gastgebers ins Zimmer stürzte: »Der Storch, der Storch ist da!« Alle sprangen auf und liefen nach der Rückseite des Hauses. Dort stand er auf seinem alten Horst im Wipfel einer schlank gewachsenen Linde und klapperte nach Herzenslust. So schmuck sah er aus; geradezu blendend das Weiß seines Gefieders und leuchtend das Korallenrot von Schnabel und Ständern. Herzerfreuend war es zu beobachten, wie sich auf der Dorfstraße alt und jung vor dem Storchennest einfand und strahlenden Auges zu dem »Glücksbringer« emporschaute. Besonders ein kleines flachsköpfiges Mädel von drei oder vier Jahren war voller Begeisterung, und altklug belehrte es mich, daß später der Klapperstorch kleine Kinder – ich verstand nicht, ob bringen oder haben würde. Auch noch andere Ortschaften der Lausitz beherbergen Störche; ich sah einen besetzten Horst beim Rittergut Kauppa in der Nähe von Commerau, einen andern in Wartha bei Königswartha, in Döbra, in Skaska, und überall waren die Störche, wie man mir sagte, am gleichen Tage, am 18. April, angekommen.

Nachmittags besichtigte ich die Einrichtungen der Fischzucht. Es handelt sich fast ausschließlich um Karpfen und Schleien; bei dem rationellen Betrieb sind die Erträgnisse außerordentlich gewachsen: viele hundert Zentner alljährlich. Aber es gibt Herrschaften in der Lausitz, die noch einmal so viel Fische züchten, ja das Rittergut Königswartha, zu dem allerdings 119 Teiche gehören – die meisten bereits im Preußischen gelegen – bringt unglaubliche Mengen dieser wohlschmeckenden Flossenträger auf den Markt; dennoch sei die Fischzucht, wie mir der dortige Fischmeister sagte, noch einer großen Steigerung fähig.

Darüber ließe sich viel Wissenswertes berichten; aber nicht den stummen Bewohnern des Wassers, sondern dem sangesfrohen und geschwätzigen Völkchen der Vögel galt mein Besuch. Während ich mich auf den Teichdämmen unter den duftigen Jungbirken erging und bei jedem Schritt ein halbes Dutzend Frösche, wiederholt auch sich sonnende Ringelnattern aufjagte, sang der Fitis unermüdlich aus jedem Gebüsch sein weiches Lied; die Singdrossel jubelt, der Zaunkönig schmettert, Blaumeischen zetert, der Weidenlaubsänger gibt sein einförmiges »Zilp-zalp« zum besten; aus dem Fichtenwald der häßliche Balzruf des Fasans, das Gurren des Ringeltaubers, das Trommeln des Buntspechts und Rotkehlchens sehnsuchtsvolle Strophe: überall selige Frühlingsstimmung.

Gegen Abend noch eine Fahrt auf dem Großteich. Das Kollern der Birkhähne, die auf einem freien, von Hochwald umsäumten Platz balzen, schallt weithin über die Wasserfläche. Behutsam nähern wir uns. Drei Hähne sind es, die mit ausgebreitetem »Spiel«, mit vorgestreckten Hälsen und hängenden Flügeln umherspringen. Wir sind so nahe, daß wir auch das Zischen der aufgeregten Tiere vernehmen und trotz der Dämmerung das leuchtende Weiß im Federkleid und die purpurne »Rose« über dem Auge ganz deutlich erkennen. Einige Hennen, klein und unscheinbar, sind in der Nähe; sie laufen, Nahrung suchend, umher, als kümmerten sie sich gar nicht um das unblutige Kampfspiel ihrer verliebten Ritter. Jetzt hat uns die Gesellschaft bemerkt; da flattern sie lautlos davon. Auch unser Nachen zieht leise auf seiner Bahn weiter. Aber es dauert nicht lange, da hören wir wieder das »Rodeln« oder »Kollern« der Hähne aus derselben Gegend. Das Birkwild ist nicht eben scheu; es läßt sich nicht so leicht vergrämen wie der balzende Auerhahn.

Immer mehr senkt sich die Dämmerung über den See. Enten und Bläßhühner werden stiller, aber das Froschkonzert schallt lauter und lauter. Welch ohrenbetäubender Lärm wird aber in ein paar Wochen am Abend und die ganze Nacht hindurch bis zum goldnen Morgen hier herrschen, wenn die Teich- und Drosselrohrsänger zurückgekehrt sind und nun ihr vielstimmiges Konzert geben. Heute ist's ein anderer, wenig bekannter Nachtschwärmer, dessen weithin schallender und doch weicher Flötenton uns erfreut. Es ist der Triel, der die sandigen Felder der Lausitz, die lichten Kiefernwälder und Waldblößen bewohnt; auch in der sächsischen Flachlandschaft westlich der Elbe ist der scheue Dämmerungsvogel, der zu den Regenpfeifern gehört, nicht selten. Seine Rufe – meist zwei oder drei sich eng aneinanderschließende Flötentöne von überaus angenehmem Wohlklang – erhöhen den Reiz der lauwarmen Frühlingsnacht.