Wie der Storch, so sind es unsre beiden Schwalbenarten, die Rauch- und die Mehlschwalbe, die nicht nur in unsrer Heimat, sondern in ganz Deutschland und weit über die deutschen Grenzen hinaus als günstige Vorzeichen gelten. Fliegen die Schwalben über einem Hause häufig hin und her, auch wenn sie dort nicht ihre Nester gebaut haben, so wird ein Mädchen in diesem Hause bald Braut. Glück und Segen winkt dem kommenden Ehestand, wenn das erste, was die Brautleute beim Austritt aus der Kirche erblicken, ein zwitscherndes Schwalbenpärchen ist. Vom Himmel gesandt sind diese Vögel; »Himmelsvögelchen« nennt sie der Volksmund.

Wie dürfte jemand solch liebem Tierchen ein Leid zufügen! Wer ein Schwalbennest zerstört, sagt der Volksmund, zerstört sein eignes Glück, und gar eine Schwalbe zu töten ist eine schwere Sünde, die gen Himmel schreit; der Frevler wird furchtbar bestraft mit Krankheit oder mit schnellem Tod. Dieser fromme Aberglaube ist bei unsern Landleuten auch heute noch so lebendig, daß sie die Belästigung seitens der Schwalben durch Schmutz und Kot gern mit in Kauf nehmen. Selbst an heiliger Stätte duldet man die Vögel und läßt sie ruhig ihre Nester bauen; für jeden Kirchgänger ist's ja doch nur ein fröhlicher, trauter, anheimelnder Anblick, wenn die heiligen Vögel durch das Heiligtum des Herrn über der Gemeinde hin und her fliegen und ihre zwitschernden Jungen ätzen. Auch der Araber sagt: »Die Schwalbe preist Gott und beschmutzt die Moscheen.«

Der Aberglaube ist der wirksamste Geleits- und Schutzbrief für unsre Schwalben, mehr wert als jedes Gesetz. Und wer für seine Person auch nicht solchem Aberglauben zustimmt, den Anschauungen seiner Väter und Urväter gegenüber sollte er doch so viel Ehrfurcht haben, daß er sie als heilige Überlieferung aus längst vergangenen Tagen beachtet und sie weiter an seine Kinder und Enkel vermittelt. Auch von andern Tieren läßt sich eine ganze Reihe anführen, der Storch, der Marienkäfer, die Kreuzspinne u. a., für die alle der Aberglaube gewissermaßen die Krippe ist, die sie nährt, und der Schutzwall, der sie und ihr Haus sichert. Der Aberglaube hat eben auch seine guten Seiten.

Schwalben erfreuen sich auch als Wettervögel eines besonderen Rufes. Wenn sie am Morgen hoch in den Lüften segeln, so sagt man allgemein, wird der Tag schön, und sollten schon Gewitterwolken den Himmel bedecken, das Unwetter zieht seitwärts. Wenn die Schwalben aber unruhig unmittelbar über dem Boden oder an den Hauswänden dicht vorüberflattern, so bedeutet dies Regen »nach aller Vernünftigen Urteil«. Daß sich trotzdem einzelne der wetterkundigen Hausgenossen bisweilen verrechnen können, ersieht man aus dem bekannten Sprichwort: »Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.«

In der Volksmeteorologie spielen gerade die Vögel eine hervorragende Rolle; sie werden sehr häufig befragt. Für Schwankungen im Feuchtigkeitsgehalt, im Druck der Atmosphäre, sowie für Änderungen der Luftelektrizität haben sie, die leichtbeschwingten Bewohner des Luftmeers, gewiß eine viel feinere Empfindung als wir Menschen. Wer aber die Meinung vertritt, daß man aus dem Verhalten gewisser Vögel die Witterung auf Wochen oder Monate vorausbestimmen könne, daß die Vögel ein »Vorgefühl« für künftige Witterungsverhältnisse besäßen, noch ehe irgendwelche Veränderungen in der Atmosphäre eingetreten seien, der stellt Behauptungen auf, die jeder Begründung entbehren und die – wenigstens teilweise – mit unter den Begriff des Aberglaubens gehören.

Hätten die Zugvögel ein sicheres Vorgefühl für die kommende Witterung, so würde es ihnen nicht einfallen, so oft in ihr Unglück zu fliegen, wie Stare, Lerchen und Schwalben, die häufig unter einem strengen Nachwinter leiden müssen, und wenn sie den regenreichen Sommer geahnt hätten, so würden manche Schafstelzen, Goldammern, Wachtelkönige u. a. ihre Nester doch ein Stückchen mehr vom Wasser abgerückt haben, um der Hochflut nicht zum Opfer zu fallen. Wetterregeln, aus Beobachtungen an unserer Vogelwelt abgeleitet, gibt es unzählige. Bestätigen sie sich, so spricht man davon; treffen sie nicht zu, so vergißt man's. Wie beim Lotteriespiel ist's: der eine Gewinn läßt die Unmasse der Nieten verschmerzen; sie sind bald aus dem Gedächtnis verschwunden.

Nur einige solcher Regeln will ich anführen. Der Landbewohner schwört auf sie auch heute noch im Zeitalter des Barometers und der Wetterwarten mit ihren täglichen Prognosen. Er will weiter in die Zukunft blicken als nur 24 oder 36 Stunden.

Klappert der Storch fleißig im März, so gibt es einen schönen Frühling und einen warmen Sommer. Wenn die Stare zeitig im April brüten, so ist ein »Wonnemond« zu erwarten, der diesen Namen auch wirklich verdient. So lange die Lerche vor Lichtmessen (2. Februar) singt, so lange schweigt sie, des Nachwinters wegen, nach Lichtmessen still. Auf tiefen Schnee mag man sich vorbereiten, sobald die Saatgänse ziehen oder Bergfinken und andere Wintergäste einfallen. Spätbrütende Rebhühner prophezeien einen späten Winter.

Aus dem Ruf mancher Vögel schließt der Bauer auf Regen. Wenn die Elster viel gackert, der Pirol unausgesetzt flötet, der Wiedehopf so eigentümlich klagt, der Wendehals schreit und der Regenpfeifer seine Stimme hören läßt, dann soll man eilen, das ausgebreitete Heu zusammenzuraffen, denn der Regen ist im Anzuge. Andere wieder halten den schmucken Buchfink für den besten Wetterpropheten; wenn er seinen bekannten schrillen »Rulschton« hören läßt: »jörk, jörk«, dann dauert's nicht mehr lange, und es regnet in Strömen. »Gut-Wetter-Bot« ist dagegen die Bachstelze, das »Ackermännchen«, wenn es dem Bauer hinter dem Pfluge folgt, und die Lerche, wenn sie sich fröhlich trillernd in die Lüfte erhebt, nicht aber zwischen den Ackerfurchen sitzend eintönig ruft.

Der Hahn auf dem Hof ist schon seit alters ein guter Wetterprophet. Wenn er in den Nachtstunden kräht oder sonst auch nur heftig mit den Flügeln schlägt, so kommt Regen und Sturm; kräht er aber am Morgen anhaltend, so folgt ein schöner Tag. Das wußte schon Älian, und noch heute heißt's bei unsern Bauern genau so. Aber gleich den wissenschaftlichen Meteorologen ist auch der Hahn nicht gegen jeden Irrtum gefeit, und so hat man, damit er trotzdem in allen Fällen recht behalte, den schönen Reim ersonnen: