Diesem Leipziger Rastrum oder Raster, bei Fischart »leipzisch Becherrastrum« benannte Gebräu war bekanntlich Luther nicht abgeneigt.
Von anderen Biersorten nennt Weise noch:
»Kuhschwanz,[62] Zerbster, Wurzner Bier,
Klatsche,[63] Duchstein,[64] Garley,[65] Gose!«
Von all diesen edlen Marken hat sich nur die Gose, der Nationaltrank von »Klein-Paris«, erhalten.
Die Gose, eine Spezialität Goslars, wurde dort bereits 1073 zur Zeit Kaiser Heinrichs IV. von den in der Harzburg eingeschlossenen kaiserlichen Völkern getrunken. Auch Harzburg, Quedlinburg und andere Harzstädte sotten Gose, die seit dem achtzehnten Jahrhundert auch in den Leipziger Vorstädten Döllnitz und Eutritzsch gebraut wird, wo sie der Sage nach von dem alten Dessauer 1738 eingeführt worden sein soll.
Selbst die kürzeste Geschichte des Bieres wäre lückenhaft, wenn nicht in ihr der deutschen Biermetropole und ihres dunklen Labetrunkes, des Bockbieres gedacht würde. Wie dieses Bier zu seinem Namen kam erzählt Schranka nach dem Münchener Stadtbuch von Joh. Meyer wie folgt, wobei aber bemerkt sei, daß noch eine Unzahl anderer Versionen existieren:
»Und es saßen einst Herzog Christoph, genannt der Kämpfer und sein Bruder Albrecht II. im Bankettsaal ihrer Hofburg und zechten. In ihrer Gesellschaft befand sich auch ein Braunschweiger Ritter, der als Gesandter am bairischen Hofe weilte. Diesem setzten die Fürsten einen tüchtigen Humpen guten, echten Braunbieres aus dem herzoglichen Hofbräuhaus in München zum Frühtrunk vor; der Ritter tat einen guten Zug; aber bald setzte er den Humpen ab und legte seinen Mund in saure Falten. Er lästert, es sei gar kein Bier, sondern ein brauner Essig. Ja, er vermaß sich zu behaupten, er wolle den bairischen Herzögen einen Trunk senden, den man in der Stadt Einbeck braue, den aber kein bairischer Brauer, selbst der Braumeister des Hofbräuhauses nicht, nachzumachen im stande sein würde. Darob ergrimmten die beiden Herzöge, namentlich Christoph der Kämpfer, der Urbayer, höchlichst! Sofort ließen sie den Hofbraumeister heraufkommen und Herzog Christian fuhr ihn gar ungnädig an: »Du loser Schalk! Haben wir dich deshalb immer gnädig gehalten und sind mit dir nie karg verfahren, daß du uns lässest hier zu Schanden werden, also daß sie sagen, wir setzten ihnen eitel braunen Essig vor, statt Bier?« –
Da wollte sich der Braumeister verdefendieren, allein der Braunschweiger lachte und sprach: »Laß es gut sein, du magst in deiner Kunst sehr erfahren, aber nie wirst du im stande sein, ein Bier zu brauen, wie es hier zu Lande nicht not, denn wenn ihr mit dem zufrieden seid, dann verlangt ihr nicht nach besserem.«
Da geriet das leicht entzündliche bairische Blut in jähen Zorn und der Braumeister rief mit lauter Stimme: »So möge ein Gewett entscheiden! So ihr, wie man sagt, in Jahresfrist wieder nach München kommt, so bringt ein Faß eures Bieres anher und ich will ein Faß sieden, so dem von euch wohl obsiegen soll oder ich will der schlechteste Meister sein und Ihro Gnaden sollen mich auf einem Esel verkehrt aus der Stadt ausreiten, auch alle meine Habe zu eurem Gunsten verlustig werden lassen.«