Da lachte der Braunschweiger noch mehr und setzte zweihundert Gulden als Gewett dagegen. Die Herzöge verbürgten sich für ihren Braumeister; der Bürgermeister Balthasar Riedler und Herzog Christophs Hofmeister, Christoph von Carzberg, aber für den Braunschweiger.

Ein Jahr war bald herum und endlich kam auch der Tag der Entscheidung; es war der 1. Mai.

Der Braunschweiger war schon zwei Tage vorher mit einem mächtigen Faß Einbecker, das gar lieblich mit Tannenreis geziert war, in München erschienen und hatte das Bier, damit es ausruhe, im fürstlichen Keller und eigener Bewachung verwahrt. Am 1. Mai beriefen die Herzöge die Bürger und Kämpfer zusammen. Viele von der Ritterschaft und auch der hohe Rat der Stadt München wurden geladen. Im Hof der herzoglichen Burg waren Galerien aufgeschlagen und schön mit bunten Teppichen, Tannenbäumen und Kränzen geschmückt. Hier nahmen die edlen Fräulein Platz, das seltene Gewettspiel mit anzusehen. Da um 9 Uhr früh traten die Kämpfer in den Kreis und gelobten ihre Wette ehrlich und ohne Falsch auszufechten. Darauf wurden die Bürger ihres Eides entlastet.

Und es flogen die ehernen Krahnen in die Bäuche der Fässer und das edle Naß ergoß sich schäumend in die Humpen. Diesmal verzog der Braunschweiger das Gesicht nicht, aber er meinte geringschätzig: »Das mag wohl ein guter Trunk sein, aber nur für eure Weibchen, denn Kraft ist keine mehr darinnen.« – »So, meint Ihr, gnädiger Herr?« entgegnete siegesbewußt der Braumeister. Und er befahl einem Brauknecht zwei Humpen herbeizubringen, von denen jeder 2½ Maß Bairisch hielt. Beide Riesengefäße wurden aus den Fässern bis zum Rande gefüllt.

»Gesegn' Euch Gott den Trunk« und reichte ihm den Humpen, "ich will den Euern auf Euer Gnaden Wohl leeren! Und wer nach einer halben Stunde noch auf einem Beine stehend einen Zwirnsfaden einfädeln kann, der hat die Wette gewonnen.«

Das war dem Herren von Einbeck recht und der Strauß begann.

Beide Kämpfer setzten an und leerten ihre Humpen bis auf die Nagelprobe. Nun ging die Bergpflegerin auf ihre Stube, in der sich ein Gaislein befand, von dessen Milch der Pflegerin krankes Mägdelein trinken mußte, um Nadel und Zwirnsfaden zu holen.

Als sie heraustrat, entwischte das Gaislein und sprang in den Hof, gerade als sich die beiden Kämpfer auf ein Bein stellten. Der Braumeister hatte seine Nadel schon längst eingefädelt, als der Ritter seine Nadel schon zum dritten Mal hatte fallen lassen. Plötzlich torkelte er um und kugelte unter vergeblicher Anstrengung, sich wieder auf die Beine zu stellen, am Boden herum.

»Ei, edler Herr«, lachte der Braumeister, »was ficht Euch an, daß ihr Euch auf dem Boden herumwalzt?«