Diese Steuerungen gingen oftmals den Bürgern über den Spaß; sie kannegießerten, murrten, schimpften und skandalierten – natürlich mit aller Vorsicht. Denn solange die Bürger nur die Faust im Sack ballten, übersah dies die hohe Obrigkeit großmütig; wehe aber, wenn die Unzufriedenen einmal zu laut wurden, dann gab es blutige Köpfe und hatte Meister Hämmerleins Schwert Arbeit. So war es damals, als Johann Cicero von Brandenburg in seinem Staatsschatz Ebbe verspürte. Schlugen ihm auch 1484 die Stände zuerst die Einführung der Bierzinse ab, so zeigten sie sich, von den Verhältnissen gedrängt, vier Jahre später um so willfähriger, als der kluge Fürst sie an deren Erträgnissen Anteil nehmen ließ. »Sie – die Bierzinse –, wurde auf sieben Jahre von geistlichen und weltlichen kurfürstlichen Räten bewilligt, nämlich von jeder Tonne Bier zwölf Pfennige, so daß hiervon der Kurfürst acht und die Städte vier Pfennige zur Aufbesserung ihrer Lage nehmen sollten.« Selbstverständlich traf diese Steuer nur die Bürger, auf denen ohnehin die ganze Last des Staatshaushaltes ruhte, denn die hohe Geistlichkeit, Prälaten, Grafen, Herren und die Ritterschaft waren von der Bierumlage befreit – natürlich, denn sie konnten sich ja Wein leisten und tranken ohnehin wenig Bier. Als sich die altmärkischen Städte, allen voran Stendal, weigerten die Steuer zu zahlen, fiel der Kurfürst mit einem starken Heer in der Altmark ein und züchtigte die renitenten Untertanen. In Stendal fielen die Häupter vieler »Aufrührer« auf dem Schaffott, in Salzwedel und Gardelegen wurden die Rädelsführer ins Gefängnis geworfen,[67] wodurch der blutigste deutsche Bierkrieg des Mittelalters sein Ende fand.

Auch Kurfürst Joachim I. Nestor erließ 1513 eine Bierzinse, die von da ab, namentlich im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, wo sie ihren Höhepunkt erreichte, auf der Tagesordnung blieb.

Aber auch den Städten selbst war das Bier ein willkommenes Steuerobjekt. Lag schon die Preisbestimmung des städtischen Bieres in ihrer Hand, die sie, je nach dem augenblicklichen Geldbedarf auf oder zu taten, so war ihnen, und nicht nur den Breslauern, schon der leidigen Konkurrenz wegen, das fremde Bier ein Dorn im Auge, dessen Vertrieb sie wohl nicht verbieten konnten, um nicht Repressalien hervorzurufen, den sie aber durch mitunter recht drückende Zölle erschwerten. So mußten in den Jahren 1442, 1448 und 1451 in Freiberg das von Mittweida, in Dresden das von Freiberg, in Chemnitz das von Zschopau, Freiberg und Mittweida hoch versteuert werden. Man trank aber dennoch fremde Biere trotz all dieser Schwierigkeiten lieber wie die einheimischen, denn abgesehen von dem Nemo propheta in patria huldigte man einem eigenartigen Aberglauben. »Es ist merkwürdig, daß, wenn die Biere verführt werden, sie an dem Orte, wohin sie gebracht werden, insgemein viel besser schmecken, als da, wo sie gebrauet werden. Von den preußischen Bieren z. B. schmeckt in Pillau das altstädtische Bier viel besser und angenehmer, als in Königsberg. Bei manchem Biere mus, bei dem Wegführen noch unterwegs ein Guß Springwasser darzu kommen, wodurch es an dem Orte, wohin es gebracht wird, weit mehr Belieben findet, als wenn diese Verdünnung nicht mit ihm vorgegangen wäre«.[68]

Wenn aber auch Gewaltmaßregeln den Bierkonsum beeinträchtigt haben mögen, auf die Dauer vermochten sie doch nicht dem Deutschen die Freude an seinem Bier zu vergällen; denn ehemals wie heute gilt der fromme Wunsch aller Deutschen und aller jener Undankbaren, die durch deutsche Sitte, deutschen Geist und deutsche Tatkraft zu dem geworden sind, was sie sind, die, wie so viel anderes, auch das Bierbrauen und Biertrinken von den Deutschen gelernt haben, das Stoßgebet:

Hopfen und Malz,
Gott erhalt's!

Spitznamen früherer Biere.

Adam in Dortmund.
Aliklaus in Brandenburg a. H.
Alter Claus in Frankfurt a. O.
Angst in Gera.
Assenhäuser in Naumburg a. S.
Augustin in München.
Auweh in Lützenrode.
Bastard in Frankfurt a. O.
Batzmann in Frankfurt a. O.
Bauch in Würzburg.
Bauchweh in Grimma.
Beinecken in Lüneburg.
Benichen in Lüneburg.
Bessre dich! in Dassel.
Beyderwan in Frankfurt a. O.
Biet den Kerl in Boitzenburg.
Berrkatze in Marienwerder.
Bock in Bayern.
Bockhänger auch Bockhinger in Wollin.
Bockshart in Wartenberg.
Böcking in Allenstein.
Borge nicht in Allenstein.
Brausegut in Benickenstein a. Harz.
Brauseloch in Brandenburg a. H.
Breypot in Frankfurt a. O.
Broyhan.
Bruse, auch Buse und Puse in Osnabrück.
Bruynen Barendl = Brauner Bernhard in Friesland.
Bubarsch in Magdeburg.
Buff in Halle a. S.
Büffel in Frankfurt a. O.
Bürste in Osnabrück.
Cacabella oder Cacabulla in Eckernförde.
Casernenbrühe in Zweibrücken.
Chapit in Helmstädt.
Clune in Mecklenburg.
Cofent = Mönchsbier.
Covent in Prag.
Dasslich in Dasseln.
Dewsel in Altenburg S.-A.
Dicker Brei in Possenheim.
Dickkopf in Eulenburg.
Domherrnbier in Brandenburg a. H.
Doppe in Danzig.
Dorfteufel in Jena.
Duckstein in Königslutter.
Dünnebacken in Osterode.
Egelei in Egeln.
Ehestandsbier, Beinamen der Gose und anderer stärkender Biere.
Einbeck in Grubenhagen.
Es wird nicht besser in Lauenburg.
Fensterschwitz in Wien.
Ferrenbacher Vivat, eine Weißbierart.
Fertzer in Frankfurt a. O.
Fidelia in Frankfurt a. O.
Filz in Magdeburg und Rostock.
Fitscherling in Frankfurt a. O.
Flickebier in Passenheim.
Freudenreich in Dirschau.
Fried und Einigkeit in Kyritz.
Füllewurst in Welau.
Garley, Gartey in Gardelegen.
Gesalzen Merter in Heiligenspiel.
Glatze in Culm.
Glückeshan in Frankfurt a. O.
Gose in Leipzig, Goslar usw.
Gräsich in Westfalen.
Gutkerl in Wettin bei Halle a. S.
Guckuck siehe »Kuckuck«.
Halbander in Creussen.
Hanske in Bamberg.
Harlemay in Liebemühl.
Hartenacke in Lübeck und Frankfurt a. O.
Hausmuff in Magdeburg.
Heidecker in Merseburg.
Helschessoff in Frankfurt a. O.
Hengst, ein Covent.
Herrentrank in Güstrow.
Hock, ein weinähnliches, klares Bier.
Hölsing, Hösing in Wolgast.
Horlemotsch in Frankfurt a. O.
Hosenmilch in Dransfeld.
Hotenbach in Frankfurt a. O.
Hund in Corwey und Dasseln.
Ich halt's in Hohenstein.
Ich weiß nicht wie in Buxtehude.
Israel in Lübeck und Dortrecht.
Itax in Frankfurt a. O.
Jammer in Ostpreußen.
Joopenbier in Danzig.
Jucksherz in Nimwegen.
Jumber in Marburg a. L.
Junker in Danzig.
Kache in Münster i. W.
Kamma in Herpord.
Kater in Stade.
Keut in Westfalen.
Keuterling in Wettin bei Halle.
Kelberzagel in Marienburg.
Keuteljucken, ein Dünnbier.
Kinast in Wormdit.
Kirbel in Straßburg i. E.
Klapitt oder Klepitt in Helmstädt.
Klatsch in Jena.
Klawenich in Neydenburg.
Klotzmilch in Bautzen.
Knisenack in Güstrow.
Korvinck in Frankfurt a. O.
Kolleber in Königsberg i. Pr.
Komma in Herford.
Kopfbrecher in Torgau.
Koyte in Münster i. W.
Krabbel an der Wand in Eisleben.
Kranker Heinrich in Graudenz.
Krausemünze in Rosenburg.
Krebsjauche in Mühlhausen.
Kressen in Frankfurt a. O.
Krewsel in Rastenburg.
Kuhschwanz in Tangermünde und Delitzsch.
Kühle Blonde = Berliner Weißbier.
Kühmaul in Bartenstein.
Kuckuck in Wittenberg.
Kupenbier in Berlin und Cölln a. Spree.
Kynast in Wormdit.
Kyrmes in Neuburg.
Lachemund in Wartenberg.
Langfahn in Meißen.
Langweile in Schlesien.
Laucke in Mölln in Lauenburg.
Leertz in Melsack.
Lieber Herr Lorenz! in Guttstadt.
Lorch in Frankfurt a. O.
Loröl in Thorn.
Lohenase in Frankfurt a. O.
Lumpenbier in Wernigerode.
Lurley, ein Zieter Bier.
Lustiger Pater in Corvey.
Masnotz in Teschen.
Maulesel in Jena.
Märzen in Rostock.
Meng es wol! in Kreuzburg.
Menschenfett in Jena.
Mill in Nimwegen.
Moll in Nimwegen und Köpenick.
Mortpotner in Frankfurt a. O.
Mord und Totschlag in Kyritz, Merseburg und Eisleben.
Muff in Halle und Halberstadt.
Mückensenff in Frankfurt a. O.
Münster in Wien.
Nasewisch in Schippenheil.
Nicolaus in Brandenburg a. H.
Nöster in Hamburg.
Oehl in Rostock.
Ohne Dank in Moringen.
O Jammer in Weve (?).
O Stockfisch in Heldt (?).
O wie! in Limbach.
O Zutter! in Schöneck.
Pasenelle in Pasewalk.
Petermann in Ratzeburg.
Pharao, ein Dortweiler Dünnbier.
Pipenstael in Mecklenburg.
Plunder in Jürgenrück (?).
Pohk in Pattensen.
Preussing in Danzig.
Puff in Halle.
Puffel in Frankfurt a. M.
Pumpernickel in Nerchau bei Grimma.
Puse in Osnabrück.
Quackeldeiß in Eckernförde.
Quitschart in Frankfurt a. O.
Rachenputzer in Wallin.
Ramenach in Glückstadt in Holstein.
Rammeiß, ein Lübecker und Ratzeburger Bier, das in Danzig stark getrunken wurde.
Ramna, ein Herforder Bier.
Rarkatter in Tolkemit.
Rasemann in Frankfurt a. O.
Rastrum in Leipzig.
Rennerkatter in Pautzke.
Reuterling in Webbingen bei Halle und in Weimar.
Reyssekopff in Frankfurt a. O.
Rockenzagel in Stumm.
Roite in Münster.
Rolah in Thorn.
Rolingsbier in Frankfurt a. O.
Roloch in Thorn.
Rorkatter in Tolkemit.
Rummeldeiß in Ratzeburg.
Rutetop in Frankfurt a. O.
Salat in Frankfurt a. O.
Salvator = Sankt Vaterbier in München.
Salz es bas! in Fischhausen.
Sausewind in Reden.
Saure Magd in Königsberg.
Schackrach in Thüringen.
Schemper, ein Covent.
Scheusel in Altenburg.
Schlacknack in Eisleben.
Schleppenkittel in Fischhausen.
Scheps in Breslau.
Schlichtim in Elbing.
Schlickerei in Passenheim (?).
Schlipschlapp in Frankfurt a. O.
Schlucknach in Eisleben.
Schlunz in Erfurt.
Schweis im Nacken in Güstrow.
Schmier nicht! in Stolp.
Schreckegast in Heilsperg.
Schüttekappe auf Rügen und in Rittershaus.
Schüttelkopf in Rüddagshausen.
Schweinspost in Straßburg.
Schwente in Neuteich.
Singewohl in Frauenburg.
Sohl den Kerl in Hadeln.
Sollewurst in Welau.
Soltmann in Salzwedel.
Sommertrank in Zerbst.
Speie nicht in Riesenburg.
Sperpipe in Frankfurt a. O.
Spülekanne in Stargard.
Spülwasser in Löbe.
Staffeling in Frankfurt a. O.
Stampf in die Aschen in Frankfurt a. O.
Stier in Schweidnitz.
Streckefisel, ein Merseburger.
Streckepertzel in Frankfurt a. O.
Strohheingen in Frankfurt a. O.
Strutzing in Löbe (?).
Stürzen Kerl in Braunsberg.
Taract, ein Culmeser Bier.
Taubenschwanz in Stendal.
Tibi soli, Braunschweiger Klosterbier.
Toller Wrangel in Breslau.
Trawöl in Lübeck.
Trink! eine Covent-Art.
Trumpe in Neumark.
Tunke in Zittau.
Vasemann in Frankfurt a. O.
Wehr dich! in Danzig.
Witte in Kiel.
Wittelaus in Kiel.
Wittenkiel in Schöningen.
Wo ist der Magd Bett? in Dt. Eulau.
Wolgemut in Friedland.
Wohlsack in Brockhausen.
Wuistdas in Liebstadt.
Wullsack in Brockhuß (?).
Wuttu in Hannover.
Würze in Zerbst.
Zals in Eilenburg.
Zitzenille in Nauen.
Zyth in Rostock.


3. Bierhumor und Bierpoesie.