Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten,
Dann wünsch ich mir nichts, als dreitausend Dukaten,
Damit ich kann schütten braun Bier in mein Loch;
Und jemehr ich davon trinke, desto besser schmeckts noch.
Fliegendes Blatt.
Der edle Wein ist dem Deutschen der Sorgenbrecher, das Bier sein guter Kamerad. Der Rebensaft macht das Blut leicht, lockert die Gedanken, gebiert den Witz; das behäbige Bier macht Körper und Gedanken träge, weckt aber den Humor, jenes urdeutsche Etwas, das wie die Gemütlichkeit, nur das deutsche Volk und der deutsche Sprachschatz kennt.
Darum liebt der Deutsche auch sein Bier, und was sich liebt, das neckt sich. Wer schimpft, der kauft! Der Deutsche schimpft auf den Gerstensaft, legt ihm allerlei Namen bei, oft recht grobe, aber nichts destoweniger sehr bezeichnende, und sauft – pardon, kauft soll es heißen. Heute, wo wir feiner geworden sind, sprechen wir allerdings nicht mehr so despektierlich vom Bier, wie es unsere Vorfahren getan, denen eine Zote und ein Zötchen, wie Luther sagt, als Würze der Geselligkeit schienen. Wir sind nobler geworden – wir tun jetzt im Geheimen, was vordem die breite Öffentlichkeit nicht scheute und nicht zu scheuen brauchte, denn der Nachbar, sogar die Damen machten es ebenso. Und was die Ahnen ohne Bedenken ausführten, das benannten sie auch mit dem richtigen Namen – es klang freilich nicht immer zart und »passend«, aber die Prüderie war eben damals noch nicht Allgemeingut geworden. Man war rücksichtsloser und derber und heuchelte wenigstens noch nicht in Kleinigkeiten. Man trank sein Bier ganz öffentlich aus großen Töpfen, nippte nicht in Wirtshäusern aus gläsernen Tulpen, um im Geheimen Maßkrüge zu leeren. Man sagte nicht: »Gose bekommt mir nicht!« sondern
Es ist ein wunderschönes Bier,
Die Goslarische Gose:
Man glaubt, man hat sie in dem Leib
Und hat sie in der Hose!
Wie viel gesitteter, aber langweiliger, klingt, was Friedrich Herm zweihundert Jahre später von derselben Gose singt:
Du Göttertrank, du Leipziger Sekt.
Wie schäumst du im hohen Glas.
O wie bedauern wir jeden doch,
Der schwelgend vor dir nie saß,
Du, süßer wie Mädchengekose,
Gose!
Weniger affektiert aber bei weitem richtiger charakterisiert ihr Landsmann Edwin Bormann die Gose:
Wennste probst der Gose Saft
Wappne dich mit Heldenkraft,
Denn du weeßt nich, werd dei Magen
Ja un' Amen derzu sagen?
Drum bevor de rechde Hand
Noch um's Stempelglas sich wand,
Leg aus Vorsicht deine Linke
Uf de Stuwendhierenklinke.