So wie die Gose hing der Deutsche fast allen seiner Lieblingsbiere einen Klaps an, sei es, daß er ihre Wirkung übertrieb oder ihren ursprünglichen Namen verballhornte. Aus dem Breslauer Stadtbier, dem Scheps, wurde der – Schöps, von dem es hieß:

Schöps steigt ins Gehirn,
Braucht keine Leiter nicht.
Er sitzet in der Stirn,
Wirkt Wunder im Gehirn.

oder wie das Original im klassischen Küchenlatein lautet:

Scheps caput ad scandit,
Non scalis indigitet actis;
Sessitat in Stirnis,
Mirabilis intus in Hirnis.[69]

Auf »durchschlagendere« Wirkung lassen die Namen etlicher anderer Biere schließen, so das Eckernförder, von dem Krünitz in aller Gelassenheit berichtet: »Von diesem wird erzählt, daß, als im Jahre 1503 der Kardinal Reymundus dahin gekommen und dieses Bier gekostet, habe es ihm so wohl geschmeckt, daß er ziemlich sich darinn berauschet; als er aber hier auch des Nachts etliche Stuhlgänge gehabt, habe er es Cacabella oder Cacabulle genannt, da es vormahls Quackeldeiß geheißen.« Und dieser anrüchige Name blieb auf ihm sitzen.

Ebenso bezeichnend hieß das Bier von Dasseln im Braunschweigischen der Hund, weil es im Leibe knurrte und murrte, ehe es sich gewaltsam einen Ausweg suchte.

Die Lust an Derbheiten bei unseren Altvorderen kommt in vielen Biernamen zum unverfälschten Ausdruck, so wenn sie das Gebräu von Dransfeld im Hildesheimschen Hosenmilch nennen – eine Zweideutigkeit, die gar nicht zweideutig ist, oder das Nauensche Bier Zitzenille benamsen, das ein Ungenannter also apostrophiert:

Wer Zitzenille trinken will,
Der muß drei Tage liegen still!

Das Bier aus Eisleben wird »Krabbel an der Wand« und »Mordundtotschlag«, das Bier aus Stade – Kater, das aus Boitzenburg Beißdenkerl und endlich das von Osnabrück – Buße getauft.

Am reichsten an Bieren mit absonderlichen Namen war Frankfurt a. d. O. Eine Durchsicht meiner Tabelle der Bierspitznamen ergibt für diese Mittelstadt an zwanzig verschiedene Biere, von denen ein großer Teil ihre Bezeichnungen bereits seit dem fünfzehnten Jahrhundert tragen.[70]