Unseres heiligen römischen Reiches deutscher Nation gesegnete Streusandbüchse war in der Vorzeit das Dorado des Bieres – ein Abklatsch des bierseeligen Bayerns unserer Zeit. Jedes Nestchen hatte sein eigenes Bier, dazu kam noch eine Hochflut fremder Gebräue – und doch schwärmte der Brandenburger für kein Bier mehr als für sein heißgeliebtes Bernauer.
Mit behaglichem Schmunzeln, nach einem Kuhschluck des schäumenden Trankes, tischt der behäbige Märker dem Fremden die Geschichte auf, wie ein Schusterjunge in Berlin, dem der Meister das bißchen Grips aus dem Kopfe gebeutelt, von der nicht minder handfesten Meisterin nach einem Krug Bernauer geschickt wird und statt nach dem Ratskeller zu gehen, sich gen Bernau trollte, der Residenz Wippchens und der Geburtsstadt des »Froschmäuselers« Georg Rollenhagen. Als ihm dann plötzlich auf dem Rückweg nach Berlin seine Torheit klar wurde und er sich die zahllosen Kopfnüsse ausmalte, die ihm winkten, vergrub er den Deckelkrug voll Bier am Wegrand und ging in die Fremde. Viele Jahre vergingen ehe der zu einem Kriegsobersten gewordene Lehrling nach dem Spreestrand heimkehrte und nach dem Krug Bernauer grub, den er unversehrt fand, ebenso das Bier in ihm, das zu einem wahren Göttertrank geworden war. Dieses Bernauer begeisterte einen Poeten um 1720 herum zu einem endlos langen Gedicht, dessen letzte zwei Strophen lauten:
Schönster Preis von allen Säften
Wertestes Bernauer Bier,
Welcher Trank kann dir an Kräften
Und an Tugend gehen für?
Keiner, keiner kann dir gleichen,
Aller Nektar muß dir weichen;
Ja, es ist ja nichts auf Erden,
Das dir kann verglichen werden.
Tee, Kaffee und Chokolade, –
Trinke Wasser, wer da will!
Ros solis und Limonade,
Diese acht' ich auch nicht viel.
Wein ist teuer und zu hitzig,
Branntewein macht aber witzig; –
Alle diese müssen passen
Und Bernau die Ehre lassen.
Eine ähnliche Dichtung findet sich, sogar in drei Sprachen: lateinisch, hoch- und plattdeutsch, zu Ehren des Gardelegener Gartei. Ihr Verfasser ist der hochgelahrte Helmstädter Professor der Medizin und spätere Oberarzt in Lübeck, Heinrich Meibomius, der sich auch viel mit dem Geißeln beschäftigte und uns eine diesbezügliche, in gewissen Kreisen noch unvergessene Abhandlung »de flagrorum usu in re veneria« hinterlassen hat. Die Entstehungsgeschichte dieses Gedichtes ist folgende: Herzog Heinrich Julius von Braunschweig hatte verboten, in Helmstädt das Gartei an die Studenten zu verschänken. Das beklagte Meibomius im Namen seiner Studenten und des Gartei selbst mit den Worten:
Ik himmelseute Kind, dat man nach seiner Meumen,
Der wiet berühmten Stadt »Gartie« plegt tau neumen,
Maut leider van de Eim mit Sack und Packe thein
Un mine ohle Borch an mit'n Rüggn anseihn. –
Das Gedicht verrät dann, daß auch die Damenwelt dem Gartei nicht abgeneigt gewesen sei, denn, sagt das Bier von sich selbst:
De Mann, de van mick hefft gaut dichte Töge dahn
De kann mit Pries und Ehr tau siener Frau gahn;
Dat merckt de Mämnncke's wohl, de looft mick utermahn.
Un will mick ut de Stadt Kortzumme nit verlaten.