Ebenso wie das Gartei, fand der Tangermündner Kuhschwanz und das Karthäuser aus Frankfurt a. d. Oder seine Sänger.

Aber trotz dieser guten Biere ergoß sich ein Strom fremden Stoffes über die Mark. Was man z. B. in Berlin um das Jahr 1711 alles hinter die Binde goß, ist aus dem nachstehenden »Bier-Carmine« zu ersehen.

Krossener, Kottbuser, Ruppiner,
Zerbster, Breihahn und Demminer
Landbier und Bernauer Bier,
Gartei aller Tränke Zier,
Duckstein wie auch Fürstenwalder,
Spandauer und Mittenwalder,
Der Karthäuser edles Bräu,
Der zu Frankfurt schäumt auf's Neu',
Tuchebander, Brandenburger,
Stolper und Oranienburger,
Köpenicker, Moll, Magdeburger,
Brietzer, sowie Quedlinburger,
Machen Wirt und Gäste rund. –
Tuts der Trunk auch von Sarmund?
Darvon ward uns nie was kund!

Grüß' dich Gott, berühmte Gose,
Bier von Rudow und Mülrose!
Neuendorfer, Kniesenacker,
Spannagel macht's Herze wacker.
Lange möge Potsdam blüh'n
Und der Trank von Lübejün!
Malchower und Krossendorfer,
Forster, sowie Fredersdorfer,
Dessauer und Nauener,
Teupitzer und Cremmener,
Falkenhagner, Liebenwalder,
Alte Lebuser, Königswalder,
Bartscher, Wusterhausener,
Machen froh selbst Klausener,
Machen Grillenfänger heiter:
Trink' sie in Gesundheit weiter.

Frankfurt, Rathenow und Straußberg,
Schwedt und Storkow, Wrietzen, Landsberg,
Zehdenick, ja auch Morin
Manchmal gute Biere ziehn.
Freienwalder, Eberswalder,
Stendaler und Luckenwalder,
Englisches, sowie Trebbiner,
Liebenberger und Küstriner,
Mühlenbecker, Dahlewitzer,
Kufenbier und dich, Kyritzer,
Brandenburger Domherrnbier,
Böhmisches und Pommersch' Bier
Schlürft man hier mit frohem Brummen,
Doch noch höher gilt die Mummen,
Mag's auch arg im Kopf d'rauf summen.

Was ich noch zu nennen habe,
Ist ein Bier nur zweiten Rang's,
Dennoch manches Mannes Labe,
Denn manch' Fürste selber trank's.
Dahin rechn' ich Biesentaler
Und Stockholmer; – eitle Prahler
Trinken gern den fremden Trank,
Würd' auch Börs' und Magen krank.
Güstrower und sächsisch Bier
Sind zwar nicht des Tisches Zier;
Wehe aber jedem Gaste,
Den Granseer je erfaßte.
Oder Trank von Buchholz, Birkholz.
Weh' im Auge und im Kopfe rollt's
Und noch tagelang im Leibe grollt's.

Doch du fragst: »Und welches Tränklein,
Kundiger empfiehlst du mir?« –
So vernimm's: »Ein arges Schwänklein
Ist's oft mit dem fremden Bier.
Ich gesteh's: Manch guter Tropfen
Kommt von fremden Malz und Hopfen;
Aber was der fremde kann,
Kann auch wohl der heim'sche Mann.
Sieh', dies Bier so goldig leuchtend,
So erquickend, witzanfeuchtend.
Wurde eingebraut allhier
Und bekommt vortrefflich dir!
Ein Berliner Brauer schuf's
Und's ist würdig besten Ruf's.
S'ist der Sorg ein starker Knebel,
S'ist des Mannesmutes Hebel:
Dieses sagt Andreas Rebel.[71]

Die umfassenden bierologischen Kenntnisse Rebels lassen darauf schließen, daß er entweder Student oder Gastwirt oder Bierbrauer gewesen. Das Selbstlob des Berliner Bieres am Schlusse seines Poems lassen beinahe auf letzteres schließen.

Eine verifizierte Biergeographie findet sich in der Falckensteiner Chronik von Schwabach. Sie ist interessant genug, um ihren Abdruck zu rechtfertigen.