Wenn ich das Bier könnt meiden
Ging ich in Sammt und Seiden,
Da ich's aber nicht meiden kann,
Hab ich zerrissene Kleider an. –
Unsere Vorfahren waren gar kluge Leute. Um niemals den Genuß des Bieres zu entbehren, den heutzutage hier und da ein übereifriger Doktor der Medizin seinem durstigen Patienten verbieten zu müssen glaubt, fanden sie darin ein unfehlbares Gegenmittel, daß sie dem edlen Gerstensaft allerlei Heilwirkungen zuschrieben und gegen jede Krankheit ein Bier als Heilmittel wußten.
»Obschon das Bier mit dem Wein sich in keine Kompetenz einlasset und demselben gern den Vorsitz vergönnet, dennoch wird es mehrmals von den verständigen Medicis manchen Patienten zugelassen und darf der sonst so redliche Wein nicht unter die Augen kommen, welches desto mehr die Ehre des Bieres und folglich des Bierbrauers vergrößert.«[74]
Schon der alte Plinius rechnet den Schaum des Bieres zu den Schönheitsmitteln, weshalb die Römerinnen auch gerne vom Schaum nippten – tout comme chez nous.
Wie man heute dem Magenkranken Pilsener Bier erlaubt, verordnete man ihm in der Vorzeit Einbecker, das überdies in Gelbsucht und Fieber gute Dienste leistete, so behauptete wenigstens Plakotomus in einem Buche »de natura cerevisiarum«, wie das Danziger Preußing bei Bluthusten und Brüchen, das Kniesenack und das Ducksteiner gegen den Stein, das letztere auch noch gegen Podagra von exzellenter Wirkung war.
Mit diesem bierologisch-medizinischen Blödsinn, »Braunbier, braunisch kuriert«,[75] ließen sich Bände füllen, da ebenso wie dem Bier im allgemeinen nachgesagt wurde:
Das Bier giebt grober feuchte viel,
Streckts geblüt und mehrets Fleysch ohn Ziel.
Es lährt die blasen und weycht den Bauch,
Es kühlt ein wenig und blaht auf auch,
(1568)
fast jeder Biersorte eine andere Wundergabe zugesprochen wurde, – sollten doch gewisse Gerstensäfte Marienbad bei der Damenwelt und Aachen usw. bei den Herren ersetzen können.