4. Der Wein.
Wein, wein von dem Rein,
Lautter, claur und vein!
Dein varb gibt gar lichten schein
Als cristall und rubin.
Du gibst medicein
Für trauren, schenk du ein!
Trinck, quot Kätterlein!
Mach rothe wängelein!
Liederbuch
der Clara Haetzlerin.
Für Sorgen sorgt das liebe Leben,
Und Sorgenbrecher sind die Reben.
Goethe, Divan 9, 4.
Das ist am Wein das Beste,
daß die Erinnerung darüber schwebt!
Eine hervorstechende Eigenschaft des Germanen, die alle seine Schilderer einmütig erwähnen, war sein dauernder Durst. Er liebte alles Trinkbare, das Wasser natürlich ausgenommen, ganz wie seine Nachkommen, sah aber in seinem Met so lange das Ideal aller geistigen Getränke, bis er etwas Besseres, sagen wir Moderneres, kennen lernte – denn Göttin Mode war gleichmächtig bei allen Völkern und in allen Zeiten. War erst das bessere Bier der Feind des guten Met, so machte der noble Wein dem plebeischeren Bier seinen Platz in der Volksgunst streitig.