Die Hohenstaufen beförderten namentlich in ihrem schwäbischen Stammland mit aller Energie den Weinbau, der zu einer Hauptbeschäftigung der Einwohner wurde. Besonders der Neckarwein war schon früh auch im Ausland geschätzt. Abt Berchtoldt von St. Gallen, ein Zeitgenosse Rudolf von Habsburgs, setzte seinen Gästen neben Botzener, Klevner und Elsässer Weinen auch den kostbaren Neckarwein vor. Wie Kaiser Karl bemühten sich auch die Hohenstaufen, ihre Weingärten zu Musteranstalten zu machen. Strenge Gesetze schützten die Weinberge, deren Zerstörung mit dem Tode bestraft wurde.

Der Umschwung, den die Kreuzzüge, diese »umgekehrte Völkerwanderung« mit sich brachte, lehrte die Deutschen neben vielen neuen Sitten und Krankheiten, die besser unbekannt geblieben wären, auch manches Gute kennen, das fortan in Deutschland eine dauernde Heimstätte fand. Unter den Pflanzenarten, die durch heimkehrende Kreuzfahrer im Norden eingeführt wurden, waren auch mancherlei noch unbekannte Rebsorten, die mit dem im Süden erlernten Verfahren behandelt wurden.

Die allgemeine Verbreitung dankt der Weinstock in Deutschland hauptsächlich den Mönchen. Die Geistlichkeit mußte wegen der Verwendung des Weins zum heil. Abendmahl auf seinen Anbau bedacht sein. Nebenbei vergaßen die frommen Herrn auch nicht die profaneren Zwecke des Rebensaftes, der sie über die vielen Stunden der Einsamkeit und Langeweile in ihren unwohnlichen Zellen und den kahlen Kreuzgängen hinwegtröstete. Der Wein war der treue Genosse der Mönche, den sie um nichts in der Welt hätten missen mögen. Ihrer Sorge um den Weinbau verdankt die Nachwelt so viele der edelsten Tropfen, so daß der Zecher, weß Glaubens er auch sei, schon um dieses so schwerwiegenden Verdienstes willen, den Klerikern aufrichtige Dankbarkeit zu zollen gehalten sein sollte.[93]

Die Herren mit der Tonsur pflegten und rodeten die an den sonnigsten Geländen angelegten Weingärten, veredelten die Traube und zierten sich keineswegs, wenn ihnen fromme Gemüter als Angeld auf zukünftige Seligkeit reiche Geschenke an Geld und Weingütern vermachten. Auch Karl der Große schenkte der Geistlichkeit Weinberge im heutigen Burgund. So kam es, daß einzelne Klöster an Reichtum selbst die Landesherrn übertrafen. Fulda, St. Gallen, Lorch bei Worms, Hirschau, Maulbronn u. a. m. besaßen neben Schätzen von unendlichem Wert noch tausende Morgen Landes mit Weinbergen, Äckern, Wiesen und Waldungen, Riesenherden von Vieh und hunderte Dörfer mit ihren Insassen. Da die Kleriker aufs beste für ihr Besitztum sorgten – »unter dem Krummstab ist gut wohnen«, besagt ein altes Sprichwort – so konnte es nicht ausbleiben, daß die reichen Erträgnisse klösterlichen Eigens weltliche Gutsbesitzer und schließlich auch die Bauern zur Nacheiferung der mönchischen Ökonomie anspornten. Es ist daher eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß die Klöster der Entwickelung der deutschen Landwirtschaft die wichtigsten Dienste geleistet haben. Sie besaßen die ersten und viele Jahrhunderte hindurch die einzigen Musteranstalten für rationellen Landbau, Obst- und Weingärten und Viehzucht, wie sie die alleinigen Hüter weltlicher und geistlicher Gelehrsamkeit waren.

So ist der Rüdesheimer Weinbau, 864 begonnen, mönchischer Herkunft. Benno von Meißen (1010–1107), der 1523 trotz Luthers Protest in seiner Schrift »Wider den neuen abgott und alten teufel, der zu Meißen soll erhoben werden«, saecularisiert wurde, brachte 1073 Reben nach Thüringen, und bald darauf, 1128, erhielt Pommern durch Otto von Bamberg den Weinbau, den der harte Winter von 1437 für immer vernichtete.

Fleißigen Klosterleuten verdankt auch die Perle der deutschen Weine, der Johannisberger, sein Dasein. »Vor tausend Jahren, in der Mitte des neunten Jahrhunderts, saß auf dem erzbischöflichen Stuhl in Mainz Rhabanus Maurus … Die Schiefergebirgkuppe, auf dem Rheinspiegel zugeneigter Südseite, wo jetzt der Schloß-Johannisberger wächst, war damals noch eine wüste Fläche, bewachsen von Wachholdergebüsch und wilden Reben, ein Lieblingsaufenthalt nicht der Menschen, sondern der Krammetsvögel. Da diese Kuppe ein erzbischöfliches Allod war, so führte sie den Namen Bischofsberg.«

Dem heiligen Nicolaus, dem Patron der Schiffer, stiftete Erzbischof Rhabanus nun eine Kapelle auf dem Gipfel jenes Hügels, welche der durch die Schnellen des Bingerloches bedrängte Schiffer überall vom Rheinstrom aus sehen konnte.

Im Jahre 1106 verwandelte Erzbischof Ruthard von Mainz diese Kapelle in ein Benediktiner-Mönchskloster, dessen erstes Geschäft die Pflanzung von Reben war. Das neue Kloster wurde reich durch Schenkungen Richolfs, des letzten der Rheingrafen, mit dem der altehrwürdige autochthone Dynastenstamm erlosch. Um für verschiedene Missetaten, die er gegen »Seiner Majestät getreue Kammerknechte«, die Juden von Mainz verübt, der Strafe des Himmels und der Rache des erzürnten Kaisers zu entgehen, schenkte er den Benediktinern Ländereien und Gefälle und da er jene Straftaten am St. Johannistage verübt, so nahm auf sein Begehr das Kloster Johannes den Täufer als Schutzpatron und änderte seinen Namen aus Bischofsberg in Johannisberg. Das von ihm gleichfalls auf dem nunmehrigen Johannisberg gegründete Nonnenkloster verlegte der Rheingraf nach einem Neubau am Fuße des Berges, der St. Georgen-Klause.

Schon um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts spielte der Johannisberger eine glänzende Rolle. Die deutschen Kaiser unterstützten die Arbeit des Klosters durch mannigfache Privilegien und Schutzbriefe, namentlich erfreute es sich der Zollfreiheit für seine Weine. Bei dem rheinischen Adel gehörte es damals zum guten Ton, der Abtei letztwillig zu gedenken. Die rheinischen Bauern leisteten ihr freiwillig reichliche Naturalleistungen und sonstige Gaben, denn der Ruhm des Johannisberger Weines erfüllte auch seine Landsleute mit Stolz.