Der größte Weinhandelplatz des Mittelalters war Ulm. Der württembergische Wein ging über diese hochangesehene Stadt nach dem übrigen Süddeutschland bis nach Ungarn. Anfangs lag auch hier der Weinhandel in den Händen der Mönche. Als er aber ein freies, bürgerliches Gewerbe geworden war, gelangte er zu solcher Blüte, daß die Kaufleute Ulms einen eigenen Weinhof und sog. Weinstadel errichteten. Um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts war Erasmus Rauchschnabel der Weinmatador Ulms. Er hatte mitunter bei Kaiser Maximilian II. und anderen hohen Herren solch bedeutende Summen für gelieferten Wein ausstehen, daß ihm öfters Ländereien und ansehnliche Güter als Unterpfand gegeben wurden.[109]
Wie mit den württemberger handelte Ulm schon früh mit Rhein-, Main-, ausländischen und Kräuterweinen. Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts belief sich oft der Weinumsatz in Ulm auf achthundert Fässer an einem Tage, der sich aus den mannigfaltigsten Sorten zusammensetzte, denn die Weinkarte des Mittelalters war mindestens so reichhaltig wie die der Gegenwart.
In Leipzig wurden 1443 verkauft »Reynfal, Welschwyn, Malmasie und Rummenie«, also Wein aus Istrien, vielleicht aus Rovigno, den Fischart in seiner »Aller Pracktick Großmutter« erwähnt, von Italien, von Monembasia und von Griechenland. 1462 wird außer den genannten auch des Passeners oder Passowners gedacht, wohl der altberühmte Bozener, den die Bewohner jener Stadt 1155 dem Kaiser Barbarossa, als er sie auf seinem Italienzug besuchte, als Willkommentrunk darboten, wodurch diesem edlen Gewächs die Ehre widerfuhr, von Otto von Freising in seiner Geschichte Friedrichs des Rotbärtigen verewigt zu werden.[110]
Ferner erscheinen noch unter den fremden Weinen der Elsässer und der Rheinische. Der »Ihenische wyn, Kotesberger – aus Kötschenbroda – Frankenwyn und Elsessir« sind gleichfalls 1452 in Leipzig zu haben. Anton Tucher in Nürnberg besaß nach seinem Wirtschaftsbuch, in dem der reiche Patrizier alle seine Ausgaben sorgsam aufzeichnete: Frankenwein, Neckarwein, Tauberbischofsheimer, Neuenstadt am Kocher, Rheinwein von Landau, von St. Martin bei Boppard, dann Rinkauer, Speierer, von dem es hieß:
Der macht den Kopff wol halbe ler
Als ob es win von Züttern (Zeutern bei Bruchsal) wer.
Elsässer, Heidelberger, dann Weine von der Bergstraße und von Heiligenstadt, Tauberwein, Wertheimer, Königsberger, aus Rausche bei Forchheim. Dann Erfurter, der 1336 noch so sauer war, daß er die eisernen Schnauzen der Gefäße, aus denen er gegossen wurde, abgefressen haben soll, während er später zu einer vielbegehrten Sorte wurde, und natürlich den »herrlichsten von allen«, den Rheinwein, »des Rheines Rebenblut«, wie er im Waltarilied benannt wird,[111] dem die Helden des Nibelungenliedes mit Vorliebe zusprachen[112] und dem schon in Clara Hätzlerins Gedichtsammlung aus dem Jahre 1471 der Sang ertönt[113]:
Wein, wein von dem Rein,
Lauther, claar und vein!
Dein varb gibt gar lichten schein
Als cristall und rubin.
Du gibst medicein
Für trauren, schenck du ein!
Trinck, quot Kätterlein
Mach rothe wängelein!
Dem Pfälzer Wein singt der geistvolle Gelehrte Nicodemus Frischlin (1547–1590) 1575 ein Loblied, aus dem hervorgeht, daß man auch damals die Tugenden des Elfingers, Hippachers, Beutelsbachers, Felbachers und Beinsteiners zu schätzen wußte.