Was waren aber diese Weinmengen im Vergleich zu den in den Klöstern aufgespeicherten, wo man allerdings für eine ganze Reihe durstiger Kehlen zu sorgen hatte. – Und nicht die Mönche allein konnten einen Stiefel vertragen, auch ihre Schwestern in Christo tranken gern und gut.
Als Kaiser Joseph II. von Österreich im Jahre 1781 mehr als siebenhundert Klöster in seinem Erblande aufhob, die Zahl der Ordensgeistlichen von dreiundsechzigtausend auf siebenundzwanzigtausend verminderte, welch geradezu riesenhafte Weinmengen fanden nicht die Beamten in den Klöstern vor! Die Kanonissinnen von St. Himmelpforten in Wien, die Himmelspförtnerinnen, hatten in ihren Kellereien noch sechstausendachthundert Eimer Wein, und Raum für die doppelte Menge. Es gab da einen Gottvater-, Gottsohn- und Heiligengeistkeller, einen Muttergottes-, Johannes-, Xaverie- und Nepomukkeller. Der allergrößte, der Gottsohnkeller, war leergetrunken bis auf ein einziges Faß.[135]
Wie es in einem mittelalterlichen Weinkeller aussah, beschreibt Hans Folz wie folgt:
»Vort ich mich in den Keller mach, ob nit ein truncklin folg hernach. Im Keller darff man manch zupuß, Wein, pir, kraut, ruhen, öppel, nuß, Pirn, Kuten (Quitten), kesten, nespeln (Mispeln), gleich Nachdem einer arm ist oder reich. Ein saure milch zu dem geproten Kan man kein gesten hast geroten, Und viel geschlex, das dan einmacht.«
Aus diesem Vorratskeller geht es in den eigentlichen Weinkeller:
Nun nempt des Kellerzeuges acht:
Faßparer, Kuner (?), zapffen, hannen,
Stentner (Stande), drichter, flaschen, kannen,
Weinlater, weinleger, hebrigel,
Weinseil, probirkrans, ein lichtdigel,
Weinror, dampader (zum Verstopfen), dammesser,
Van nicht verrun, es wer vil pesser,
Ich mein, man det in sunst wee gnug
Mit sweffel und aus dem milchkrug,
Senf, weidasch, eyerklar und thaen (thendehem-Decem, Abgabe).
An maß man thut mit wasser zwaken,
Und wie sein weiter zimpt zu warten
Mit gesaltzen speck, mit sweinen swarten,
Mit susser wirtz, mit glater smir;
Da von nichts ist befollen mir,
Dan das man auff sech in alln ecken.
Mit zangen, keupseln und faßdecken
Und alle meßgeschir sein verhanten,
Untersetzschusel, spunt und stanten,
Der man hart eins geraten kan,
Ob man an nicht will mangel han.[136]
Auch Hans Sachs, der Schuhmacher und Poet dazu, gibt in Versen die Erfordernisse eines wohleingerichteten Weinkellers also an:
Nun mußt auch haben in dem Keller
Wein und Bier, je mehr je besser,
Ein Schrotleiter, und ein Dambmesser,
Ein Faßbörer muß auch da seyn.
Ein Rören und ein Kunnerlein,
Ein Steudtlein und auch etlich Kandel,
Weinschlauch, und was gehört zu dem Handel.[137]
Den Riesenkellern und den großen Weinvorräten entsprachen auch die Riesenfässer, von denen uns eine ganze Anzahl nach Umfang und Inhalt bekannt ist. Das größte dieser Gebinde lag auf der Elbfestung Königstein; es faßte achthundertfünfzig Fuder. 1725 erbaut, war es 34 Fuß lang, 24 Fuß hoch. Zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts führten Fäulnis und Baufälligkeit das Ende jenes turmähnlichen Weinbehälters herbei. Nach ihm kam das Tübinger Faß, 1548 von Herzog Ulrich von Württemberg für seinen Schloßkeller erbaut, »vierundzwanzig Schuh lang und sechzehn hoch«; ferner das Riesenfaß im Kloster Eberbach, das vierundsechzigtausend Liter enthielt und 1520 von aufrührerischen Bauern erst leergetrunken und dann zerschlagen wurde. Ferner das dreihundert Eimerfaß im Ludwigsburger Schloßkeller. Dann die Fässer des Bremer Ratskellers, so das Bacchusfaß mit vierzigtausend Flaschen Inhalt von 1624, und zwei weitere mit Raum für dreißig- bezw. vierundzwanzigtausend Flaschen, die sich die Franzosen in den Sturmjahren des vorigen Säculums und ihr Führer, General Davoust, bis auf den letzten Tropfen schmecken ließen. Das Faß zu Grüningen im Halberstädtschen, das mit Eisen und Wein 3448 Zentner wog, hatte, ohne Holz, über 6000 Reichstaler gekostet.
In der Abtei Salmannsweiler befand sich ein vierzig Fuder haltendes Weinfaß, »von einem solchen Umfang, daß durch sein Spundloch einst ein Mönch hineinfiel und darinnen ertrank« schreibt Münster, in der Cosmography, im 5. Band, Seite 946 und ihm sei die Verantwortung für die Richtigkeit dieser Angabe überlassen. Im Keller des Schlosses zu Würzburg liegen mehrere sehr große, schön verzierte Weinfässer, wie auch in dem Aschaffenburger Schloßkeller.