Dem achtzehnten Jahrhundert gehört das Riesenfaß in der Stiftskellerei zu Klosterneuburg bei Wien an. Das Faß wurde 1704 angefertigt und im Weinjahre 1771 zum erstenmal gefüllt. Es faßt 999 Eimer; der Spundaufsatz enthält den tausendsten Eimer. Im Jahre 1809 wurde der Koloß zum letztenmal geleert und seither nicht mehr gefüllt.
Alljährlich am 15. November, am Tage des heil. Leopold, wallen Tausende von Wienern nach diesem Faß, um sich am »Fasselrutschen« zu ergötzen.
Wie dieses »Fasselrutschen« entstanden, darüber berichtet eine uralte Legende: Es war einmal, die Zeit ist nicht angegeben, ein Klosterwirt, der unter dem Pantoffel seines Weibes stand und als echtes »Simandl« – Sie Mann – bekannt war. Das Stiftskellervolk saß eines Abends beim fröhlichen Gelage, und der Bindermeister frotzelte den Klosterwirt. Er meinte, wenn es die strenge Gattin befehlen würde, müßte der Wirt auf das Faß hinaufsteigen und herabrutschen. Der Klosterwirt aber schwur: »Wenn ich meiner Alten so parieren müßte, dann soll jeder, der hier kommt, das Kellerrecht haben, mir zum Spotte den Rutscher über das Faß zu machen. Die gestrenge Frau Wirtin erfuhr von der Geschichte und sekkierte den Simandl so lange, er möge über das Faß rutschen, bis er unter der Bedingung einwilligte, daß die Sache unter den Eheleuten geheim bleibe. Eines Abends schlichen die beiden in den finsteren Keller, der Mann kletterte auf eine Leiter bis zur Höhe des Fasses und als er herunterrutschte, erscholl ein Gelächter, es wurde plötzlich Licht und das ganze Personal begrüßte den Pantoffelhelden. So entstand das Kellerrecht, das bis jetzt noch immer geübt wird. Die Mehrzahl der heutigen Besucher von Klosterneuburg steigt über die vierzehn Stufen, die zur Höhe des Fasses führen, empor und rutscht zum Gaudium der Zuschauer über den Rücken des Kolosses hinab.
Aber alle diese Fässer stellt das noch heute vielberühmte, einst von Hagedorn und von Fischers »Saufpoeten«, dem deutschen Anakreon, J. V. von Scheffel, besungene Heidelberger Faß in den Schatten, durch den unvergänglichen Ruhm, mit dem es durch den Autor des »Gaudeamus« umgeben wurde. Von jeher war es der Stolz der pfälzischen Fürsten, die größten Fässer im Reich zu besitzen. Denn ein altes Winzersprichwort besagt: »Je größer der Pfühl, desto besser der Wein«.
Das erste der Riesenfässer ließ Johann Kasimir 1582 und für dieses den jetzt noch vorhandenen Keller bauen. Das zweite entstand unter Karl Ludwig, das dritte unter Karl Philipp und endlich das auf unsere Zeit gekommene 1751 unter Karl Theodor. Dieses von Johann Jakob Engel angefertigte Faß ist das größte aller Heidelberger Fässer. Es faßt zweihundertzwölftausend vierhundertzweiundzwanzig Liter, ist neun Meter lang bei einem Durchmesser von beinahe sieben Metern.
Auf die Zeremonien, denen Besichtiger vom Stand unterworfen wurden, komme ich später zurück. »So groß aber auch das jüngste Heidelberger Faß ist, das voluminöseste ist es doch nicht in deutschen Landen. Herzog Eberhard III. vom Württemberg ließ 1719 durch den Böttcher Ackermann ein äußerst schmuckes, reichverziertes Behältnis erbauen, welches sich im Schloßkeller zu Ludwigsburg befindet und geräumiger ist als das Meisterstück Englers. Riesenfässer enthält auch der ehemals fürstbischöfliche Keller zu Würzburg, in welchem der gepriesene Steinwein lagerte.«[138]
Ein weiterer Faßkoloß soll, wie der Reisende Keyßler im achtzehnten Jahrhundert mitteilte, im Dunkel eines Dresdener Kellers gelegen haben, doch konnte ich näheres darüber nirgends finden.
Eine Geschichte des Weines, und wäre sie auch noch so kurz, würde eine unverzeihliche Lücke aufweisen, wenn sie nicht Branders Lieblingsgetränk, des »… Champagnerwein
Und recht moussierend soll er sein!«