Während man bei unseren heutigen Hochzeitsmahlen mit Vorliebe »bunte Reihe« macht, waren die Tafeln der Jungfrauen und Männer auf jener Berliner Hochzeit vor 500 Jahren streng von einander geschieden. Aber beide waren, der Sitte jener Zeit entsprechend, reich besetzt. In der Mitte waren mehrere ungewöhnlich große Käse zur Zierde aufgestellt, und zwar so, daß stets zwei den dritten trugen. Das Mahl fing mit großen Näpfen voll Biersuppe an, bei der Pfeffer und Ingwer nicht gespart waren. Hierauf kam Hirse mit Würsten, erstere mit Safran schön gelb gekocht. Dann trug man Grünkohl mit Hammelköpfen auf und hierauf Kalbfleisch, ebenfalls mit Safran schön gelb gekocht und stark mit Pfeffer gewürzt. Rehbraten mit vielem Knoblauch und Zwiebeln und Wildschweinsbraten schlossen sich an, und den Beschluß machte Thorner Pfefferkuchen. Beim zweiten Mahle trug man Brot auf, das mit Kümmel und Fenchel versetzt war, und dazu gab es einen Hirsebrei, im Sack gekocht. Dieser wurde in einem Topfe auf den Tisch gebracht, um welchen wiederum ein Sack vielfach herumgelegt war, wie man jetzt wohl Servietten um Mehlspeisen legt. Es war ein Lieblingsgericht der damaligen Zeit und wurde in der Regel mit »Tunke« genossen, zu welcher sich wohl noch eine Beikost, Heringe, Schinkenschnitte, je nach dem Geschmacke der Gäste gesellte. Dann folgten Fische »auf ungarisch« gesotten; hierauf Wildpret und Spanferkel in Teig gebacken und endlich Mandelmus in vier Farben. Ließ man es, wie aus dem Mitgeteilten zur Genüge hervorgeht, an den nötigen kulinarischen Genüssen durchaus nicht fehlen, so wurde doch auch für einen guten »Umtrunk« nach Kräften Sorge getragen, Kräuterbiere und Met fanden besonders viel Liebhaber, nicht minder »Ipocras«, der seiner Zusammensetzung nach unserem Glühwein gleichkommen dürfte. Dann gab es Bernauer, Kapnizer und Gardelegener Bier und ebenso Zerbster Bitterbier. Getrunken wurde aus steinernen Krügen, die mit Silber beschlagen waren, aus Kannen und Trinkhörnern.

Auf der Hochzeit Herzog Georgs von Bayern und Landshut, der allerdings den Beinamen »der Reiche« trug, mit des Polenkönigs Tochter zu Landshut im Jahre 1475 machten die Kosten für den Unterhalt der Gäste die unerhörte Summe von fast 56 000 Gulden aus. Für Gewürze allein wurden 1089 Gulden verausgabt. Auf der sechs Tage währenden Hochzeit des Prinzen Wilhelm von Oranien mit Anna, der Tochter des Kurfürsten Moritz von Sachsen (1561), waren 5600 Gäste in Dresden anwesend, die 3600 Eimer Wein und 1600 Fässer Bier vertilgten.[175] Im Jahre 1500 hielt Kurfürst Johann von Sachsen sein Beilager mit der Prinzessin Sophie von Mecklenburg in Torgau, wo acht Tage lang 11 000 Personen köstlich gespeist und 7200 Pferde gefüttert wurden. Noch mehr Hochzeitsgäste, 14 000, besaß Graf Eberhard der Rauschebart. Bei der Hochzeit Johannes von Luxemburg mit Elisabeth von Böhmen (1310) bedienten Ritter zu Pferde die an den auf der Nordseite des Speyerer Domes aufgeschlagenen Tischen zechenden Gäste. »Brunnen waren mit Wein, Bier und Met zu trinken da. Höhlen voll von Fleisch, Fischen und Getreide. Schiffe, beladen mit Wohlgerüchen, waren vorhanden, die Bedürfnisse des Leibes aufs beste zu erfüllen.«[176]

Der Hochadel tat es natürlich, so weit es nur immer möglich war, den Fürstlichkeiten gleich. 1578 bei der Hochzeit des böhmischen Ritters Wilhelm von Rosenberg mit einer Markgräfin von Baden auf Krommenau (Krummau) wurden vertilgt: 1787 Eimer Rheinwein, 2000 Eimer ungarischer, 700 Eimer österreichischer, 1100 Eimer mährischer, 370 Eimer süßer, 448 Eimer böhmischer Wein; dann 5487 Viertel Weißbier, 180 Viertel Rackonitzer, 920 Viertel Gerstenbier und 24 Viertel Schöps.[177] Die Hochzeit kam auf über 100 000 Taler zu stehen. Aber auch die Bürger entfalteten einen reichen Hochzeitsluxus. In Schwäbisch-Hall dauerte einst eine Hochzeitsfeier neun volle Tage, während welchen stets an sechzig Tischen gespeist wurde.[178]

Nach Faust von Aschaffenburg pflegte auf den Hochzeiten der Frankfurter Patrizier im sechzehnten Jahrhundert ein Fuder Wein vertrunken zu werden. Im siebzehnten Jahrhundert war dieser Hochzeitstrunk schon auf drei Fuder angewachsen.

Eine im Jahre 1515 von dem Frankfurter Geschlechte Arnold von Glauberg ausgerichtete Hochzeit kostete 116⅔ Gulden. 76 Leute waren geladen und vertranken sechs Ohm Wein und für sechseinhalb Gulden Bier. Dazu wurden 239 Pfund Rindfleisch, 315 Hähne und Hühner, 30 Gänse, 3100 Krebse, 1420 Weißbrode und vieles andere mehr verzehrt. Man aß ebenso gut, wie man trank, und das will viel sagen!

Bei den Brautgelagen in Braunschweig durfte der Bräutigam nur zwischen zwanzig bis höchstens vierzig Personen zu Gast bitten, denen er bloß vier Stübchen Wein vorsetzen sollte, ein so bescheidenes Maß, daß es wohl kaum dabei geblieben sein dürfte. In Goslar richtete sich die erlaubte Zahl der Hochzeitsgäste nach der Höhe der Mitgift der Braut. Für jede erhaltene zwei Mark Silber konnte der junge Gatte eine Schüssel geben, aus der zwei bis vier Personen essen sollten. Das Getränkquantum war in Goslar nicht namhaft gemacht.[179] Das kleine Wernigerode war toleranter, indem es ohne weiteres erlaubte, 120 Personen zu den Vermählungsfeierlichkeiten einzuladen, dazu noch 16 Droste, 16 Mägde, Spielleute und Ratsdiener. Hingegen untersagte der Magistrat Wernigerodes »polternacht en holde« – den Polterabend zu halten, da es an diesem meist toller zuging, als am Hochzeitsabend.[180]

Über das Schlemmen und sonstige bei den Hochzeitsschmäusen übliche Unarten klagt Cyriakus von Spangenberg in seinem Ehespiegel oder LXX Brautpredigten,[181] nachdem er sich über die Tänze bei den Hochzeiten ausgelassen hat: »Wenn man sich am Reyen und tanzen wol müde gelauffen, gejaget, gedrehet und gerennet hat, so findet man sich alsdann wieder spat genugsam zu Tische und hält das Nachtmahl, da gehet es also viel wüster, unmäßiger und unzüchtiger zu, als wil der Abend unschamhaftiger und trunkener ist dann der Morgen; da isset mancher und trinket ohne Hunger und Durst zu ungelegener Zeit, wäre besser, er schlieffe dafür, und ist diese Abendmalzeit schädlich, beyde, dem Bräutigam und den Gästen. Ist das auch ein schändlicher Mißbrauch, daß auff denselbigen Abend Jungfrawen und Gesellen zusammen unter einander gemenget gesetzt werden, weil aber das Gesellige sich gemeiniglich voll gesoffen und toll gelaufen hat, ist wol zu erachten, was grob, unflätig und unverschampt sie pflegen zu seyn, mit Worten und Gepärden, und ist dahin kommen, daß auch unter den Jungfrawen ihr vil selbst unhypsch genugsam seyn können mit Worten und den Scherz am meißten treiben und fördern, daß es auch bisweilen an einem anderen ort (will nit sagen wo) zu vil were, das stehet ja zumal übel. Denn was geschiehet auf den Abendmalzeiten, wenn man den ganzen Tag gesoffen hat, anders, dann daß eyner schlaft über Tische, der ander zerbricht Gläser, der dritte schreit und singet, der vierte hadert und zankt, der fünfte beweint das Trunken Elend, der sechst giebt fechten und springen für, der siebente wil aus der Kunst disputiren, und ist ein solches Leben durcheinander, daß man nicht weiß, wer Koch oder Kellner ist … Also gar hat Bacchus das tolle Regiment zu Abends alleine, wenn man ihm den Tag zuvor gedienet hat, daran ist ja nicht viel zu loben …«[182] Geiler von Kaysersberg meint auch »wa man uff einer hochzeit ist: olleweil man nuechtern ist, so ist nit guot dantzen, aber wenn man fol ist, so gat es erst«.[183]

Wie man im ersten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts heiratete, schildert ein Chronist bei der Beschreibung der Hochzeit des reichen Bürgermeistersohnes Nameler zu Bunzlau in Schlesien. Da ich unbescheiden genug bin, auch auf Leserinnen zu rechnen, setze ich die Schilderung dieser bürgerlichen Hochzeit als Gegensatz zu der erwähnten Quitzowschen Hochzeit hierher, die als Parallele zwischen einst und jetzt vielleicht die Damen interessieren dürfte.

»Die Jungfer Hochzeiterin hatte einen Rosengarten mit blauen Mausöhrlein (Myosotis-Vergißmeinnicht) vermischt auf dem Kopf, auf den der Pfarrer bei der Trauung den Brautkranz von grünem Rosmarin mit goldenen Ähren durchwunden, setzte. Ohrringe und Halskette waren groß und von echtem Golde, von der letzteren, die mit vielen Diamanten und schönen Perlen besetzt, war der Hals ganz bedeckt. Der hohe steife Spitzenkragen war mit goldenen Spitzen garniert; der rosarote seidene Brustlatz mit goldenen Blumen gestickt, das über den Reifrock ausgespannte Kleid von weißem Droket, das Geschwänze (die Schleppe) eineinhalb Gewändt lang und der ganze untere Saum breit mit Gold garniert. Die Strümpfe waren von weißer Seide mit goldenen Zwickeln und die langen weißen Schnabelschuhe mit goldenen Flittern gestickt und mit hohen roten Absätzen. Der Kopf des Hochzeiters steckte in einer ganz neumodischen Knotenperrücke, um den Hals schlang sich eine weiße Spitzenkrawatte, deren Zipfel bis auf den Magen in die oben offene Weste herabhingen, und die unterm Kinn mit einem Brillantknopfe vereinigt und festgehalten wurden. Die Weste, welche bis auf die halben Beine reichte, war von weißseidenem Droket mit Goldblumen gestickt, die Hosen von demselben Zeuge mit goldenen Kniegürteln und goldenen Schnallen versehen. Die Strümpfe weiß mit goldenen Zwickeln, die schwarzen Schnabelschuhe mit goldenen Schnallen hatten keine Absätze. Das Kleid war von hellespontinischem zwiebelfarbigen Droket mit goldenen Knöpfen. Der runde, biberhaarne Hut war sehr hoch, beinahe spitzig und mit weißen, roten und gelbseidenen Bändern verziert. Um den Staat besser zeigen zu können, wurde zur Trauung nicht gefahren, wie es jenerzeit auch Mode war, sondern gegangen, überhaupt gingen Hochzeiterinnen, die sich eines reinen, fleckenlosen Rufes bewußt waren, lieber, als daß sie fuhren; diejenigen aber, deren Ruf zweideutig war, ließen sich lieber in die Kirche fahren. Beim Eintritt in die Kirche wurde das Brautpaar mit Kesseltrommelgerassel und Trompetengeschmetter empfangen; die Kirche war ganz mit Kerzen erleuchtet, sämtliche Hochzeitsgäste saßen vor dem Altar auf Stühlen, das Brautpaar in dessen Mitte vor diesem, unter sich schöne mit Gold und seidenen Blumen gestickte Teppiche ausgebreitet. Nach der Trauung kam der Hochzeitsschmaus. Er bestand in 24 Gängen, während welchen 23 Töpfe Wein getrunken wurden. Bevor man sich zu Tisch setzte, wurde mit vier Trompeten zum Händewaschen geblasen; bei jeder Speise wurden andere Teller und Servietten gegeben. Die Braut saß zwischen Bräutigam und Pfarrer. Als die 24 Gänge vorüber waren, wurde wieder mit vier Trompeten zum Händewaschen geblasen, während dessen die Tische abgedeckt, das Tischtuch abgenommen, neu gedeckt und das Konfekt und die Dessertweine aufgesetzt wurden. Um acht Uhr zogen alle, Braut und Bräutigam an der Spitze, nach dem Rathaussaale, zum Tanz, der mit Genehmigung des Rates, der daran teilnahm, bis zwölf Uhr dauerte. Voran tanzte der Vater der Jungfer-Hochzeiterin, Jacob von Brauchitsch mit der letzteren und wurden, wie es heißt, fast alle modischen Tänze durchgemacht als: der polnische, Dreh-, Capriolen-, Schmoller-, Tauben-, Vor-, Zwölfmonats-Tanz und das ganz neue moderne Menuet. Um zwölf Uhr wurde das Brautpaar in die Brautkammer begleitet, wo der Vater des Bräutigams, der gestrenge Herr Bürgermeister, seiner Schnerche (Schwiegertochter) die goldgesäumten Strumpfbänder abband, die Frau Bürgermeisterin ihr die Schlafhaube aufsetzte, den Jungfrauengürtel abnahm, ihr zugleich eine kostbare Frauenhaube schenkte, die Hochzeitsjungfer, Magdalene von Brauchitsch den letzten Jungfrauen- und die Frau von Brauchitsch den ersten Frauenkuß gab. Währenddem tranken die Hochzeitsgäste noch einige Töpfe des letzten Jungfernweines. Am andern Morgen um zehn Uhr machten sämtliche Gäste den jungen Eheleuten ihren Besuch und tranken dabei natürlich wieder einige Töpfe des Frauenweines, wozu vor der Türe mit Kesseltrommeln und Trompeten musiziert wurde. Um zwölf Uhr ward wieder gegessen, es gab zwölf Gänge, ohne das Konfekt. Nach der Mahlzeit ging die Gesellschaft spazieren, wo man sich dann im Freien mit verschiedenen belustigenden Spielen unterhielt, wobei auch gut gelebt wurde. Gegen Abend trennte sich die Gesellschaft.«

Sogar bei der Mitgift war man häufig besorgt, daß der geliebte Trank im neuen Hauswesen nicht ausgehe. Im Jahre 1627 vermählte sich der Berliner Patrizier Joachim Steinbrecher mit der Jungfrau Anna Tageteuffel, der Tochter eines fürstlich mecklenburgischen Leibarztes aus einem sehr berühmten mecklenburgischen Geschlecht. Die junge Dame brachte ihrem Gatten ein Ehegeld von zwölfhundert Talern zu, wofür ihr ein Meierhof in Neukirchen, den ihr Mann als Belehnung erhalten hatte, nebst zehn Pferden, acht Kühen, zwanzig Schweinen, dreißig Schafen und sieben Viertel Land zum Leibgeding verschrieben wurden. Außerdem sollte sie vom Rittergut zum Hausbrauch jährlich zwei Scheffel Erbsen, zwölf Scheffel Mehl, zehn Stück Schrotfleisch, zwei Speckseiten, zehn Pfund Butter, zwei Schock Käse, drei Schock Eier und vier Tonnen Bier geliefert erhalten. An dem Gegenwert, beziehungsweise der Naturalverzinsung der Mitgift, läßt sich der bedeutend höhere damalige Geldwert gegen die Gegenwart ermessen, denn zehn Pferde allein, selbst gewöhnliche Ackergäule, sind heute schon meist mehr als zwölfhundert Taler wert.