Dieses groteske Spiel mit dem närrischen Gesandten ist Flögel entgangen, der es sonst sicher seiner Geschichte des Groteskkomischen einverleibt hätte. Es ist recht bezeichnend für den Geist, der in gewissen Duodezländchen des geflickten deutschen Reiches römischer Nation herrschte, daß sich ein solcher sinnloser, für Lübeck entwürdigender Mummenschanz über zwei Jahrhunderte halten konnte, und es erst, wie eingangs erwähnt, langer Verhandlungen bedurfte, um der Narretei endlich den Garaus zu machen. Auch hier war es wohl die Schlacht bei Jena, die den beteiligten Kreisen gezeigt, daß die Zeit der Untertanerei und der Spielereien vorbei und eine Epoche der Arbeit und des Ernstes angebrochen sei.


6. Altdeutsche Schlaftrünke.

Wer nit weiß wie man trincken sol
Der findt hie Kunst er leß mich wol.

Vincentius Obsopeus.

Im mittelalterlichen Trinkerparadies spielten die Schlaftrünke eine große Rolle. Nach heutigen Begriffen sind diese gewürzten und gesüßten, meist warm aufgetragenen Getränke unseren heutigen Bowlen und Pünschen sehr ähnlich; wenn sie auch in ihrer Zusammensetzung einem modernen Gaumen kaum mehr munden dürften. Gewürze und Zucker, überdies Parfüme und Farben waren die Hauptingredienzien, neben denen der Grundstoff, Frucht- und Kräuterweine, ganz nebensächlich waren. Die Schlaftrünke, im übertragenen Sinn, waren unseren Desserts, mehr aber noch jenen Büffets ähnlich, die bei großen Gesellschaften einige Stunden nach der allgemeinen Hauptmahlzeit aufgeschlagen werden. »Bei fürstlichen und adeligen Hochzeiten wurde die feierliche Beschlagung der Decke nicht eher vorgenommen, bis der süße Schlaftrunk von den Neuverlobten genossen war; nun erst wurde der Braut das Strumpfband gelöst, das Zimmer verschlossen, und der Jungfernkranz genommen.«[190] Ja, er ward Teil der Besoldung, »wie denn noch heutigen Tages (1782) in einigen Ländern manche Ämter bis 20 Eimer Weins jährlich unter diesem Titel einziehen.«[191]

Wie es bei einem solchen Schlaftrunk im sechzehnten Jahrhundert zuging, was alles aufgetischt wurde, zeigen die nachstehenden Blätter, die ein Kapitel aus einem äußerst seltenen Kochbuch mitteilen: aus Hieronymus Bocks »Teutscher Speisekammer«, Straßburg, A. D. 1550.

Von Pancketieren und Schlaffdrüncken, und was man gemeiniglich zu denselben pflegt auffzutragen.

Ueberflüssige Schlaftrünck sind (wie menniglich bekennen muß), eitel schädliche Anordnung, durch welche menschliche Körper hefftig geschwächt, und zeitliche Narung endtlich verschwinden und zerrinnen müssen. Noch will man solche schädliche Gewohnheit, wie in andern mehr Dingen, im Brauch haben und behalten, das lassen wir fallen.