Sol. Mit der Zeit werden sie auch mäßig, und mir ist's ganz, als würde es bald geschehen; denn ich sehe sie je länger je weniger trinken und bemerke, daß die beständig Trunkenen von den andern, die auch nicht ganz nüchtern sind, verachtet werden.
Phaëton. Sage mir eins: trinken auch ihre Fürsten?
Sol. Wär' diese Unart nicht in dem fürstlichen Stande, die ganze Gesellschaft der Trinker wäre längst zergangen. Sie bestärken dieses Mißleben durch ihr böses Beispiel, und vor allem folgen ihnen darin die Sachsen nach, die dort, wie du siehst, sich ganz der Trunkenheit ergeben haben. Diese allein vor allen Deutschen haben noch von ihrer alten Weise nicht abgelassen, sie widersetzen sich aller Vermahnung und halten an ihrer Väter Weise fest.
Phaëton. O Himmel und Erde, welch eine Gesellschaft sehe ich da! Welche Trünke! Welche Rülpse! Welch ein Speien! Da frißt und säuft man unmäßig, überhäuft die Gerichte, trägt das Brot in großen Körben auf und den Trank in schweren Flaschen, schreit, ruft, singt und heult. Von ihnen kann ich dasselbe sagen, was der Poet Lucilius sagt: »Also gebärdet ihr euch, ihr vollen Bäuche, ihr Schlucker und ihr Weinschläuche!« … Hier kann man wie die Griechen in ihrer Sprache von den Leontinern, »allewege stecken die Leontiner hinter den Flaschen«, jetzt von den Sachsen sagen auf Lateinisch, damit es jedermann versteht »allewege stecken die Sachsen hinter den Flaschen!« Fürwahr, sie müssen viel Wein vertilgen.
Sol. Sie trinken nicht Wein.
Phaëton. Wie, werden sie denn von Wasser so voll?
Sol. Ja, von Wasser.
Phaëton. Haben sie denn auch, wie die Paphlagonier, Brunnen im Lande, wovon die Leute trunken werden?
Sol. Auch nicht. Denn wenn das wäre, so würden sie vom Trinken bersten; sie kochen einige Kräuter und Früchte, und von diesem Getränk werden sie berauscht. – (Also von Bier. –)
Phaëton. Das ist gut erfunden. Wie wollte man auch für solche, die soviel schlucken, Weins genug finden!