Die siebente Schell geht gegen solche, die »alle augenblick fressen und füllen. Dann es haben etliche den Brauch, daß sie den gantzen tag ohn auffhören fressen vnnd sauffen, welches doch ganz vngesundt ist vnnd wider die Natur. Dann was man ober zwey mall ein tag ysset, das ist zu viel.« Die achte, neunte bis zur dreizehnten Schelle richtet sich gegen die Leckermäuler, die »schleckbißle vnd Pfaffenbißle« nachjagen, neue Speisen erfinden, übergroße Mahlzeiten herrichten und genießen, und die größte Sorgfalt auf gute Küche wenden und sich schließlich überessen.
Von der dreizehnten ab beginnt die »Tischzucht«, wie man sich bei der Tafel benehmen soll. Da wird gerügt das begierige Essen, »unzüchtig Brot« schneiden, die Rinde essen und den »Brosam« liegen lassen, mit den Händen agieren und die Arme auflegen, die Augen immer herumgehen lassen, Brot zerkrümeln, Wein ausschütten, mit dem Tischtuch spielen, mit den Augen essen, zu viel auf den Löffel nehmen, mit den Fingern in die Becher greifen, die schmutzigen Hände an den Kleidern abwischen und dann gleich wieder in die Schüssel fahren, mit abgebissenem Brot die Schüssel auswischen, die Finger mit der Speise »bis in den rachen hinein stoßen«, »das maul für ein messer gebrauchen«. Nun kommt das Trinken an die Reihe. »Die siebenvndzweintzigst schell ist, Sauffen daß das Glaß ein Krach lasset. Auß solchen hab ich einen gesehen, der soff einen solchen starcken suff, daß das Glaß ein Krach ließ vnd entsprang in der mitt entzwey.«
28. Sauffen, daß die augen vberlauffen.
29. Sauffen, daß der Wein vber beyde backen herab laufft auff das Wammest vnnd die Kleider, also daß einer hendt vnd bart darunder köndt gewäschen.
Die dreißigste und letzte endlich ist: Sauffen dz jm der Athem zu kurtz wirdt, also daß er möcht ersticken.
In der Endmoral heißt es dann: Wie hefftig aber solche sündt, schandt vnnd laster der Füllerey und Fresserey ye vnd ye von Gott sein gestrafft worden, weisen alle bücher auß, die voll sein solcher exempel.
Einer der urwüchsigsten, für das Denken und Fühlen des Volkes und ihrer Seelenhirten, besonders charakteristischen Sermone gegen die Trunkenheit ist die heute sehr mit Unrecht vergessene, anno 1562 gedruckte Predigt des biederen »Matthäus Friederich, Pfarrherrn zu Görentz«: Wider den Saufteufel, gebessert vnd an vilen örtern gemehret, die ich, wie ich glaube, vielen Lesern zu Dank etwas modernisiert nach dem Neudruck in H. Scheibles prächtigem, heute nur noch unter Schwierigkeiten erhältlichem Sammelwerke »Das Kloster« nachstehend ungekürzt wiedergeben will. Wer sich scheut, das etwas länglich geratene Machwerk zu lesen, mag es überschlagen, – er wird es aber bereuen.
Wider den Saufteuffel, gebessert vnd an vilen örtern gemehret. Von Matthäus Friederich, Pfarrherr zu Görentz, Anno 1562.
1. Etliche wichtige Ursachen, warum alle Menschen sich vor dem Saufen hüten sollen.
Die erste Ursache ist, daß das Saufen von Gott in seinem Wort verboten ist.