Saufen aber heißt, (wie es alle vernünftigen Menschen verstehen), wenn man mehr in den Leib gießt, denn die Notdurft erfordert, es geschehe nun auf welcherlei Weise, man tue es aus eigenem Fürnehmen, aus Gewohnheit, oder jemand zu Gefallen, so heißt doch alles gesoffen, gleichwie fressen heißt, wenn man mehr Speise in den Leib steckt, als die Notdurft erfordert. Denn Essen und Trinken ist uns von Gott darum gegeben, daß wir den Hunger und Durst damit vertreiben und den Leib damit erhalten sollen. Was nun darüber geschiehet, das heißt alles gefressen und gesoffen und ist ein Mißbrauch der Kreaturen Gottes, da hilft keine Entschuldigung. Nun sollt es ja billig sein, daß wir alle Gott hierin Gehorsam leisten, weil es sein Wille und Gebot ist, daß wir uns vor dem Saufen hüten sollen, und wenn wir gleich keine andere Ursache hätten, uns dafür zu hüten, so sollt uns billig dies allein Ursach genug sein, daß es Gott verboten hat.

Sollte es nicht billig sein, ihm als unserem Schöpfer, Erlöser, Herrn und Vater gehorsam zu sein, da er gebeut und spricht: sauft euch nicht voll! Das muß ja alle Vernunft bekennen und sagen, daß es billig sei.

Wir armen, elenden, sterblichen Madensäck, die wir gegen Gott nicht wohl einer Fliege zu vergleichen sind, wollen, daß alles, was wir sagen, von jedermann geehrt, geglaubt, gefürchtet und gehalten werden soll; wir wollen, daß alles, was wir unseren Untertanen, Gesinde und Kindern sagen, das soll stracks gehalten werden, wo nicht, so stehet kein Stecken recht, wir können auch Gottes Wort dazu einführen.

Sollte nun nicht viel billiger Gottes Gebot von uns armen Menschen angenommen, geehrt, gefürchtet und gehalten werden? Sollten wir armen Menschen nicht billig, wenn wir hörten, was Gott, unser aller Herr, von uns haben will, unser Hütlein abnehmen und bald darauf sagen oder gedenken: Ja, lieber Herr, das will ich gern tun, hilf mir nur durch deinen heiligen Geist dazu, ich tu es billig, denn du bist mein Schöpfer, ich bin deine arme Kreatur, du bist mein Herr, ich dein unwürdiger Diener, du bist mein Vater, ich dein armes Kind.

2. Die andere Ursach.

Die andere Ursache, darum alle Menschen das Saufen meiden sollen, ist, daß Gott dräuet, die Säufer hier zeitlich und dort ewig zu bestrafen. Denn im Jesaia im 5. Kapitel droht Gott also und spricht: Wehe denen, die des Morgens früh aufstehen, des Saufens sich zu befleißigen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt usw.[213] Das ist, Gott wird Säuferei mit Krieg, Hunger und Durst strafen. Solches merk wohl! Das soll die zeitliche Strafe sein! Folgt nun die ewige.

Denn, so spricht er weiter,[214] daher hat die Hölle die Seele weit aufgesperret und den Rachen aufgetan, daß hinunterfahren beide, die Herrlichen und Pöbel, beide, die Reichen und Fröhlichen. Das ist, Gott will Säuferei mit der Hölle und ewigem Feuer strafen.

In der ersten Epistel an die Korinther, im 6. Kapitel, sagt Gott durch St. Paulum: Lasset euch nicht verführen; weder die Hurer, noch die Abgöttischen, noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch die Knabenschänder, noch die Diebe, noch die Geizigen, noch die »Trunkenböltz«, noch die Lästerer, noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben. Das ist deutlich genug geredet, daß kein Trunkenbold das Reich Gottes ererben werde.