Die dritte Ursache.

Die dritte Ursach ist, daß wir keine Stunde noch Augenblick vor dem Tod sicher sind. Denn das ist ja gewiß, daß unser keiner gewiß ist, wann, wie und wo er sterben soll. Unser keiner weiß, ob er heute oder morgen, die Stunde oder diesen Augenblick vom Tod überfallen möchte werden.

Wenn du nun trunken wärst und würdest vom Tod überrasselt, kannst du wohl denken, wo du hinfahren würdest? Denn du hast gehört, daß kein Trunkenbold werde ins Himmelreich kommen; wo werden sie denn hinkommen? Nirgend hin, denn ins ewige höllische Feuer! In solches Bad gehören solche Säu! Dem Teufel haben sie gedient und ihm zu Gefallen sich voll gesoffen, der wird ihnen endlich auch lohnen.

Du möchtest aber vielleicht gedenken: du wolltest Gott in der vollen Weis' um Vergebung bitten, und hoffen, er würde dir gnädig seyn? Ja, wenn du nur auch alsdann von Herzen könntest beten und hoffen. Wie aber, wenn du dich nicht besinnen könntest? oder wenn du dich besinnest, wie wenn es nicht von Herzen mit ernster Andacht gehen könnte? Wie, wenn dir der Teufel widerstehen würde und dir deine Sünde fürhielt', dich also ängstete, daß du dich gegen ihn mit Gottes Wort und Gebet wehren sollest? Wo wolltest du alsdann bleiben? Was wolltest du machen? Ein nüchterner Mensch hat allda genug zu schaffen, geschweige denn ein trunkner.

So folget nun hieraus, daß sich alle Menschen billig solcher großen Gefahr wegen, sich selbst zum besten, vor'm Saufen hüten sollen, weil wir keine Stund' noch Augenblick vor dem Tod sicher sind und wohl bedürfen, daß wir immer nüchtern erfunden werden. Und soll ein jeglicher Mensch allzeit seine Rechnung also machen und gedenken: wie, wenn du diesen Tag, oder diese Nacht, oder diese Stunde sterben solltest, würdest du dich auch vollsaufen und so freventlich wider Gott handeln?

Die vierte Ursach.

Die vierte Ursache, darum alle Menschen sich vorm Saufen hüten sollen, ist, daß wir alle Stund' des jüngsten Tages gewarten müssen. Denn da Christus von den Zeichen des jüngsten Tages redet, spricht er: Wenn ihr sehet, daß solches anfahet zu geschehen, so wisset, daß der jüngste Tag nahe ist.

Nun haben solche Zeichen nicht allein angefangen zu geschehen, sondern sind deren mehrenteils schon ergangen, und sonderlich in wenig Jahren daher oft und häufig gesehen worden.

Christus gibt ein Gleichnis von den Vögeln auf einem Vogelherd; diese sind niemals sicherer gewesen, gehen und hüpfen hin und her und sind sehr fröhlich, haltens dafür, als haben sie bei langer Weil nicht also wohlgelebet. Schwips, in einem Hui liegt das Netz über ihnen, und sind arme gefangene Vögel. Also, sagt Christus, wird dieser Tag auch schnell kommen über alle, die auf Erden wohnen.

So sollten nun alle Menschen abermal billig in Sorgen leben, sich vor dem Saufen hüten und alle Stunden gedenken: Wie, wenn heut' der jüngste Tag käme? Also würden sie das Saufen und andere Laster wohl unterwegen lassen und froh seyn, daß sie nüchtern blieben.