Die fünfte Ursach.

Die fünfte Ursache, das Saufen zu meiden, ist, daß es einen Menschen zum unverständigen Narren macht.

Mancher kommt durch sein Saufen um seinen Verstand, welchen ihm Gott vor anderen verliehen hat, daß er ganz zum Narren wird. Mancher kommt drüber um sein Gedächtnis, daß er weder sich selbst noch andern nütz seyn kann. Und ich zweifle nicht, wenn wir Teutschen das Fressen und Saufen ließen, wir solltens mit Verstand und Witz vielen andern Nationen zuvortun.

Weil nun dem also, so sollten abermals alle Menschen Ursach daraus nehmen, sich hinfort für dem teuflischen, schändlichen und schädlichen Laster, dem Saufen, zu hüten.

Die sechste Ursach.

Die sechste Ursach soll seyn, daß Trunkenheit eine Ursach ist zu allerlei Sünden. Denn wer trunken ist, der fraget weder nach Gott noch nach den Menschen; da müssen alle Flüche und Schwüre heraus, da flucht mancher aufs greulichste, wie er sonst, wenn er nüchtern ist, nicht pfleget. Da wird die Predigt und Gottes Wort verachtet und spöttisch davon geredt. Spricht jemand: Ach, Lieber, tu dies und das nicht, denn man hört in der Predigt, daß es Sünde ist, bald fähret ein Trunkenbold heraus: Was hab' ich am Pfaffen, er mag reden, was er will, so tu ich, was ich will, was hat er mir zu gebieten, ich will's tun und will den Schandpfaffen nicht ansehen!

Da wird Vater und Mutter, Herr und Frau, Richter und Oberherr verachtet. Saget man, dein Vater kommt oder der Richter kommt; – bald hört man: was hab' ich am Vater, dem alten usw., was frage ich nach dem Richter, laß ihn immer kommen; wenn er mich angreift, soll er wohl sehen, daß ich auch Fäuste hab'. Ja, ein Trunkenbold soll wohl, wenn er heim kommt, Vater und Mutter schlagen, wo sie ihn nirgend strafen wollten. In Summa: da ist weder Ehr' noch Tugend.

Item, einem Trunkenen ist niemand gut genug, da ist ihm einer wie der andere, der Feind ebenso lieb als sein Freund. Da hört man ein greulich Schmähen und Lästern, einer schilt den andern einen Schelmen, dieser will's nicht leiden, schmähet ihn wieder, da erhebt sich alsdann ein solches erschreckliches Fluchen, daß sich die Sonn dafür entfärben möchte; diesen soll dies und jenes schänden, den andern ein anderes, bis es endlich zum Schlagen, Raufen und Würgen kommt, daß mancher seinen guten Freund, welchen er vorhin auf den Händen tragen wollte, erwürget.

Item, da höret man wenig züchtige Worte, viel unzüchtige, schandbare Worte und Zoten gehen allda, welche zur Hurerei und Unzucht Ursach geben. Da betrüget manchen der Teufel, daß er die Ehe bricht oder andere Unzucht übet, welchen er sonst sein Lebtag dazu nicht hätte bereden können.