Wenn nun der Saufteufel einen Menschen einnimmt, so sind die andern Lasterteufel auch nicht weit von ihm, als da sind: der Hoffartsteufel, Zornteufel, Lästerteufel, Fluchteufel, Trauerteufel(?), Neidteufel, Haßteufel, Mordteufel, Hohnteufel, Schmachteufel, Schandteufel, Hurenteufel, Geizteufel, Diebsteufel, Wucherteufel, Fraßteufel, Spielteufel, Haderteufel, Lügenteufel und dergl. Diese alle legen Hand zu Werk bei einem trunkenen Menschen, bis sie ihn in Jammer und Not bringen, und gerät ihnen oft allda eine Schanz, daß sie das bei ihm ausrichten, welches sie sonst nicht vermögen.
Man lieset davon, daß der Teufel einstmals einem Menschen Tag und Nacht keine Ruhe hat lassen wollen. Und da er ihn gefraget, was er doch von ihm begehre? soll er geantwortet haben; er wolle ihm keine Ruhe lasse, er willige denn ein, unter drei Sünden eine zu begehen. Fraget er: Was es denn vor Sünden wären? Da antwortet er: Er sollte entweder beim Weib seines Nachbarn schlafen, oder solle den Nachbar erwürgen, oder, wenn er davon nichts tun wollte, sollte er sich einmal vollsaufen. Da hab er in keins willigen wollen. Als aber der Teufel ihm gar keine Ruh lassen will, willigt er endlich ein, sich einmal vollzusaufen, als ob es nicht eine so große Sünd wäre (wie er meinte), als die andern zwei. Da er sich nun vollgesoffen und seiner Vernunft gleich beraubt war, bald sind der Hurenteufel und Mordteufel vorhanden und legen Hand zu Werk, betrügen den armen Menschen. Du hast dich dem Teufel zu Gefallen vollgesoffen; was hast du nun davon? Du hättest gleich so mehr gewilligt, bei des Nachbarn Weib zu schlafen, so hättest du doch Freud und Lust davon gehabt. Ich hab doch schon zuviel gewagt und dem Teufel zu Gefallen mich vollgesoffen.
Indeß malet ihm der Hurenteufel in trunkner Weis' des Nachbarn Weib für, wie sie so schön, so freundlich sey. Darauf gehet er also trunken hin, überredet sie und schläft bei ihr. Indeß kommt ihr Mann, der Nachbar, und wills rächen; aber dieser stellt sich zur Wehr und erwürget seinen Nachbar: beging also drei Sünden auf einmal.
7. Die siebente Ursach.
Die siebente Ursach, um welcher willen alle Menschen sich vor dem Saufen hüten sollen, ist, daß das Saufen Schaden bringt an Ehr, Leib und Gut.
An Ehr, denn dadurch kommt man zu einem bösen Namen und bei allen ehrliebenden Menschen in Verachtung, daß niemand viel von ihm hält. Ha (spricht man), er ist ein voller Zapf, was soll er andre regieren oder lehren, da er sich selbst nicht regieren und lehren kann.
Daher kommts auch wahrhaftig, daß die Pfarrherrn und Prediger alsogar bei dem gemeinen Mann in Verachtung kommen sind, nicht allein ihre Person, sondern auch ihr Amt und Lehre, daß ihrer viele so ein böses Leben führen mit Saufen, Spielen, Fluchen, unverschämter und leichtfertiger Rede und andern Lastern.
Was soll ich tun? spricht man; ich sehe, daß es der Pfaff selbst tut; weil er seine Lehre nicht achtet, was soll ich ihrer denn viel achten? Wär es ihm ernst, so tät er selbst darnach. Siehe doch, wie könnte dem Teufel die Schanz besser geraten. Denn was sie mit ihrem predigen bauen, das reißen sie mit ihrem schändlichen Leben wieder darnieder, wo nicht zweimal mehr. Wehe aber solchen Pfarrherrn und Predigern; wie werden sie so schwere Rechenschaft geben müssen am jüngsten Gericht, nicht allein für ihre Person, sondern auch für alle diejenigen, welche sie mit ihrem Saufen und bösen Leben geärgert und ihnen Ursach zur Sünde gegeben haben. Also ist's auch mit den Oberherren und Regenten, also auch mit Hausherrn und Hausvätern und mit einem jeglichen Menschen, – daß sie (wo sie sich vollsaufen) desto mehr in Verachtung sind.
Am Leibe aber bringt es Schaden; denn dadurch wird der ganze Leib, alle Gliedmaßen und alle Adern geschwächt, wie man in täglicher Erfahrung siehet. Ein Säufer hat die Nacht keine Ruhe und ist ihm nicht wohl. Schläft er ein, so hat er erschreckliche Träume. Morgens, wenn er aufstehet, (so er anders kann) befindet er sich noch beschweret, der Kopf tut ihm wehe, der ganze Leib ist matt, wie wenn er zerschlagen wär; er hat zu keinem Ding eine Lust, weder zum Essen noch Trinken, er sitzt, als wär er an den Kopf geschlagen. Da folget auch alsdann der Schwindel, rote Augen, böse, bleiche Farbe, Halsgeschwär, Brustgeschwär, Fäule an Lung und Leber, böser Magen etc. Endlich folget Verkürzung des Lebens, daß er vor der Zeit sterben muß.
Am Gut bringet das Saufen Schaden, denn dadurch kommt man um das, was Gott bescheret. Gott bescheret manchem, daß er sich, sein Weib und Kind davon ernähren, auch armen Leuten geben soll und könnte. Er gehet aber hin, versaufts, verschlemmts und verspielts; dafür läßt er sein armes Weib und Kind daheim Hunger und Not leiden. Da wird es nun einmal heißen: Gib Rechenschaft von deinem Haushalten! Weil nun dem also ist, daß das Saufen einem Menschen an Ehr, Leib und Gut Schaden bringt, folget abermals unwidersprechlich, daß alle Menschen, sich selbst zum besten sich dafür hüten sollen. – Folget