Ein Lied
wider das vollsauffen vnnd Trunckenheit, Gedichtet durch einen vom Adel, Im thon: Nun freuwet euch, lieben Christen. Oder, Hilff Gott, wie geht das jmmer zu, das alles volck so grimmet.
Wenn es die Leut nit wolt beschweren,
Ein Lied wolt ich jn singen:
Doch muß ich mich daran nit kehrn,
Gott helff dz mir gelinge.
Weil ichs damit nit böse mein,
So ich auß einem hertzen rein,
Den schaden thu besinnen.
Welchen da bringt die Trunckenheit,
So in vil Reich und Landen:
Der hoch begnadten Christenheit,
Hat genommen überhande.
Das es auch niemand wehren kan,
Ein jeder hat groß lust daran
In hoch vnd niderm Stande.
In disem Laster üben sich,
Die es selbs solten wehren;
Dawider in ernst legen sich,
Mit straffen vnd mit lehren.
Weil sie aber selbs strefflich seynd,
Bleibt vngestrafft die schwere sünd,
Die Truncknen thun sich mehren.
Denn der grost theil der Oberkeit,
Auch vil deß Priesters Orden;
Brauchen hierin kein meßigkeit;
Seynd Bachidiener worden;
Ir lust steht nur in füllerey,
Dencken nicht, das es sünde sey,
Als Ehebruch, Diebstahl, Morden.
Denen nachfolgt der gemeine hauff,
Von Adel, Bürger, Bauren:
Meinen es sey der beste brauch:
Zu vertreiben das trauwren.
Vnd geben dem groß preiß vnd lob,
Welcher dem Sauffen liget ob,
Leßt sich daran nichts dauren.
Die Weibesbild auch heben an,
Einander zu zutrinken;
Volle vnd halbe wie die Mann,
Mein hertz wil mir entsinken.
Wenn ich bedenck die sünde schwär,
Vnd allen schaden so folgt her,
Auß überfluß deß trinckens.