»Doch, gnädige Frau, der Kutscher und der Diener. Und ich möchte nicht gern, daß ich diesen gleichgestellt würde, schon, damit mir die Achtung der Kinder nicht geraubt werde.«
»Arbeit schändet nicht,« fauchte Frau Roderich, die beiden Arme gegen die Hüften gestemmt.
»O, das weiß ich, gnädige Frau. Ich habe schon viel in diesem Hause gearbeitet und mich allen Ihren Wünschen schon gefügt, aber meine Selbstwürde werde ich mir stets bewahren.«
»Das hätten Sie auch manchmal in andern Dingen tun sollen.«
»Gnädige Frau, ich verbitte mir diese Verdächtigung, obendrein noch vor Zeugen!«
Das Hausmädchen grinste noch mehr und zeigte keine Miene, die Hände zu rühren, bevor dieser interessante Zwischenfall nicht erledigt wäre. Rudi sah Schlimmes kommen und hielt es für besser, aus der Entfernung zuzuhören. Man stand im hinteren Korridor und fast alle Türen waren offen, so daß der angenehme Luftzug von allen Seiten wehte. Die Köchin wurde hin und wieder sichtbar und nickte, wenn niemand es sah, dem Hausmädchen verständnisvoll zu.
Frau Roderich hatte ihre guten Vorsätze vom Morgen vergessen. Noch niemals hatte sie sich in ihrer Herrscherinmacht so verletzt gefühlt, als jetzt, wo sie öffentlich ihre Hausrechte zu verteidigen hatte. Sie lechzte förmlich nach Genugtuung. Und als jetzt die Stimmen der Kinder vernehmbar wurden, glaubte sie als sicher anzunehmen, daß sich auch eine gewisse Tür geöffnet habe, hinter der ein gewisser Jemand unstreitig aufmerksam geworden war.
»Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie sich gar nichts zu verbitten haben,« sagte sie heftig. Und plötzlich, als wieder eine Gegenrede erfolgt war, stürzte sie ihren Entschluß vom Morgen um. »Ich kündige Ihnen hiermit Ihre Stellung. Sie können schon zum fünfzehnten gehen, aber ich werde Ihnen den Monat ganz bezahlen.«
Rudi streckte wie erschreckt die Arme aus.
»Ich muß diese Großmut dankend ablehnen, gnädige Frau. Sie sind mir auf halbem Wege entgegen gekommen, denn ich hatte schon selbst den Wunsch, Ihr Haus zu verlassen. Gestern bin ich von Ihrem Herrn Sohn auf der Straße belästigt worden, so daß ich flüchten mußte, und heute werde ich von Ihnen einer ähnlichen Behandlung ausgesetzt — das macht mir das Gehen leicht.«