Das Hausmädchen tat plötzlich sehr geschäftig und ging in eines der Zimmer, um dort weiter zu horchen. Hinter der Tür links mußte der Unterricht ganz stocken, denn die Kinder, die von Fröhlich ruhig gehalten worden waren, lärmten unter ihrem Spielzeug. Frau Roderich sah und hörte nichts mehr nach diesem Ueberfall.
»Rudi, hörst Du? Was sagst Du?«
Er wollte sich gerade zurückziehen, sie sah aber noch seinen Kopf, und so mußte er wieder ganz sichtbar werden. Langsam kam er heran, mit der Miene des völlig Erstaunten, und achselzuckend näselte er: »Reagiere doch gar nicht mehr darauf, Mama! Du siehst doch selbst, wie Deine gute Absicht belohnt wird. Ich habe Dir doch schon heute früh gesagt, daß ich Fräulein gestern abend begegnet bin und nur gefragt habe, wohin sie will.«
In seiner Miene las sie den heimlichen Wink, ihm zuzustimmen, und so fiel sie ein: »Natürlich hast Du mir das gesagt, das ist doch keine Belästigung.«
»Ich habe es als solche empfunden, gnädige Frau, nachdem Ihr Herr Sohn die Zumutung an mich stellte, mit ihm in ein Restaurant zu gehen.«
»Na, was ist denn da weiter? Dann hätte er Sie doch sehr geehrt. Sie sind doch keine Hoheit.«
»Aber ein anständiges Mädchen, gnädige Frau, das sich den Herrn ansieht, der seinen unschönen Charakter zeigt. Alles übrige behalte ich für mich.«
»Ach, Ihre Phantasie geht mit Ihnen durch,« schnarrte Rudi jetzt rücksichtslos, »und daraus entstehen dann fromme Wünsche.«
»Dann muß ich sagen, daß Sie unwahrhaftig sind,« preßte Fanny hervor.
»Immer nach Ihnen, mein Fräulein.«