XVIII.
Der Bankdirektor hatte seine liebe Not, um alles wieder einzurenken. Diesmal zeigte er wirklich, daß er Herr im Hause war. Kornelia hatte ihm alles berichtet, törichterweise vor dem Diner, und so kam er geladen nach oben, mehr mit Aerger als mit Essen, denn der Appetit war ihm vergangen. »Das kommt davon, wenn Du auch mal sechs Gänge ißt,« sagte er zu seiner Frau, noch mit gutmütigem Ingrimm. Dann aber wetterte er los. »Ich habe Dir immer gesagt, daß Du manchmal den Reinemache-Bazillus hast, aber merkwürdig, nicht in Deinem Boudoir. Da hängen die Seidenfetzen monatelang voll Staub. Laß da mal frische Luft ein, das ist nötiger!«
Sie wollte in Ohnmacht fallen und schnappte nach Worten, aber er zeigte keine Spur von Schwäche. »Ueberlaß doch Kornelia alles, wenn Du Dich über jede Kleinigkeit aufregst! Sie hat Nerven und kommt mit jedem Menschen aus ... Es wird die höchste Zeit, daß Du Dich irgendwo gründlich erholst.«
»Wie meinst Du denn das? Adolf, Du hast was Besonderes vor! Ich gehe nicht allein fort, das kann ich Dir sagen.«
Er hatte schon das »Sanatorium« auf den Lippen, aber er verschluckte es. »Ich bitte Dich, mach nur mir nicht noch eine Szene,« fuhr er fort. »Du schaffst Dir Deinen Zustand immer selbst und dann machst Du andere Menschen auch noch verrückt. Meinetwegen wirf mir wieder Mangel an Zartgefühl vor! Mit der Zeit bekommt man ein dickes Fell.«
»Du behandelst mich ja, daß ich beinahe einen Scheidungsgrund hätte.«
»Liebe Agathe, laß Dich nicht auslachen ... Morgen früh werde ich mir einmal den Kandidaten vornehmen.«
Das Wort »vornehmen« machte sie kleinlaut. »Was willst Du denn von ihm?« forschte sie ängstlich.
Roderich spielte noch mehr den Ueberlegenen. »Er muß fort, morgen schon,« sagte er mit hochtragischer Miene. »Aber eine große Aussprache muß erst zwischen uns beiden erfolgen.«
»Aber, Adolf, Du wirst doch keinen Skandal machen. Er ist ein Mann von großem Zartgefühl. Rede ihm doch lieber gut zu! Walter hat schon den ganzen Nachmittag geweint. Der Junge wäre ja untröstlich.«