Der Bankdirektor lachte schallend auf. »Schlägt Dir endlich das Gewissen? Kommt Dir endlich mal zum Bewußtsein, was für Verirrungen man anrichten kann, wenn man sich selbst nicht in der Gewalt hat ... Laß Dich nur ruhig scheiden! Ich bin damit einverstanden.«

»Adolf, schäme Dich!«

Er war schon hinaus, hinter der Türe aber vergnügte er sich bei dem Gedanken, daß er sich schämen solle.

Da man seinen Zorn kannte, der, einmal geweckt, ohne Grenzen war, so hatte ihm auch Kornelia diesmal nichts von des Bruders Benehmen gegen Fanny gesagt, denn auch Rudi hatte sich hinter sie gesteckt mit dem Versprechen, Fräulein ein paar entschuldigende Worte zu sagen. Das hatte er denn auch getan und dabei die Phrase von ihrer Schönheit gebraucht, der selbst ein Mann mit Eskimoherz (er meinte das Eisige damit) nicht widerstehen könne.

»Es ist schon gut, Herr Roderich,« erwiderte sie. »Hoffentlich ist es auch so gemeint, wie Sie es sagen.«

Aus ihrer Freundlichkeit glaubte er zu entnehmen, daß sie sich doch ein wenig geschmeichelt fühlte, und so pfiff er wieder vergnügt vor sich hin.

Zur rechten Zeit am andern Morgen ließ Kornelia durch den Diener Fröhlich heraufbitten, bevor er ihrem Vater seinen Besuch abstattete. Sie legte ihm nahe, er möchte doch ihres Bruders gar nicht Erwähnung tun, und wies auf Rudis Entschuldigung hin und zugleich auf des Vaters Absicht, den Kandidaten zum Bleiben zu bewegen.

Es war denn Roderich auch nicht schwer, Fröhlich umzustimmen, der wohlgefällig mit anhörte, wie man seine außerordentlichen Fähigkeiten zu schätzen wisse, und da der Bankdirektor auch noch ein übriges tat, ihm ein vierteljährliches Extrahonorar zusagte und sich verpflichtete, auch in diesem Sommer während der Reisezeit den Gehalt voll auszuzahlen, so war die Sache ausgeglichen. Der Zufall wollte es, daß gerade an diesem Morgen Fröhlich die Nachricht empfangen hatte, daß seine Bewerbung um eine Lehrerstelle an einem Berliner Gymnasium im nächsten Jahre aussichtsvoll sein werde, und so betrachtete er diesen Tag als einen besonders glücklichen, der nicht getrübt werden dürfe.

Er benutzte denn auch die erste Gelegenheit, Fanny davon Mitteilung zu machen, wonach er dann hinzufügte: »Kommt nichts dazwischen, so mache ich im nächsten Jahre noch meinen Doktor.« Sein Herz schlug höher und seine Gedanken richteten sich auf morgen, wo er das größte Glück erwarten sollte. Und er malte sich die Zukunft weiter aus: sein bescheidenes Heim, Fanny als sein Weibchen und den Bruder bei sich, dem er weiter die Lebensstütze sein wollte.

Es war ihm ganz recht, daß sie durchaus nicht bleiben wollte, trotzdem der Hausherr auch bei ihr vorsichtig die Fühler ausstreckte. Kandidat Fröhlich sah in allem einen Fingerzeig, der auf den richtigen Weg für beide weise, denn die Aergernisse wären noch größer geworden, wenn sein Verhältnis zu ihr die erwartete Wendung genommen hätte.