Auffallend fand es Roderich, daß Kornelia durchaus für Aufrechterhaltung der Kündigung Fannys war, denn er konnte das mit ihrer Zuneigung zu Fräulein nicht in Einklang bringen.

»Ich weiß, daß sie festbleibt, also bemühe Dich erst gar nicht!« sagte sie. »Es ist auch besser so, Mama und sie werden sich nie mehr vertragen.«

Er wußte nicht, daß sie selbst Fanny bestimmt hatte, ein höfliches »Nein« zu sagen, aus Gründen, die die beiden Mädchen allein nur kannten.

Am nächsten Mittwoch würde er sicher alles verstehen, wenn drüben im Zoologischen Garten die größte Ueberraschung für das Haus Roderich sich offenbaren würde. Endlich hatte sie es soweit gebracht, ihm das Wort zu einem Nachholen des verschobenen Abends abzunehmen, und wenn ein Krach in seiner eigenen Bank ausbrechen sollte, was er lachend als eine Unmöglichkeit gleich der Verbindung mit dem Mars erklärte.

Am Montag, gleich nach seinem Eintreffen, stellte sich der Kandidat vor seinen Schüler hin und sagte mit einem Ernste, als hätte er einen Erwachsenen vor sich: »Ich weiß, Du bist immer von aufrichtiger Gesinnung gegen mich erfüllt gewesen, und so sollst Du der erste in diesem Hause sein, der etwas recht Freudiges von mir erfährt. Ich habe mich nämlich gestern heimlich mit Fräulein Frank verlobt, und es steht zu erwarten, daß die öffentliche Verlobung bald folgen wird ... Du bist ja noch ein Knabe, aber aufgeweckten Geistes, ich kann wohl sagen, über Deine Jahre hinaus, und so darf ich hoffen, daß Du diesem Ereignis in meinem Leben schon genügend Verständnis entgegenbringst.«

»Gewiß, Herr Kandidat. Verloben müssen sich die Menschen immer erst, ehe sie heiraten.«

»So ist es, so ist es, mein Junge. Und Du gratulierst mir doch, nicht wahr, von Herzen sogar. Ich sehe es Dir an.«

Bevor sein Schüler noch etwas erwidern konnte, hatte er schon dessen Hände ergriffen und drückte sie, als hätte er einen Glückwunsch zu geben und nicht zu empfangen.

»Wissen Sie, Herr Kandidat, das hab' ich schon längst gewußt, daß Sie Fräulein gern haben,« sagte Walter endlich. »Sie waren ja immer auf ihrer Seite.«

»Siehst Du, mein Junge, so ist es! Man fühlt sich immer zu den Menschen hingezogen, die einem mehr sind, als die andern, und Fräulein und Du — Ihr wart mir stets die Liebsten im Hause. Das heißt, das brauchst Du nicht etwa Deiner Mama zu sagen, sonst mißversteht sie das. Ich habe auch vor der übrigen Familie allen Respekt.«