Einige Augenblicke schwieg der Kandidat, völlig verblüfft über diese unerwartete Wendung; dann aber hob er sich leicht auf die Zehen, wie er es oft zu tun pflegte, wenn er ganz aus sich herausgehen wollte, und sagte scharf: »Ach, Sie sind ein kompletter Narr! Ich bitte, mich nicht weiter zu stören, ich bitte sehr darum!«

Roderich junior wurde blaß. »Sie werden das Wort sofort zurücknehmen, Herr Kandidat!« schrie er ihn an.

Fröhlich zuckte mit den Achseln. »Ich bin gern bereit, Ihnen den Vorzug in dieser Beziehung zu überlassen,« sagte er ruhig.

Beide gerieten in ein Wortgefecht darüber, wobei jeder dem andern den begonnenen Satz vom Munde abschnitt. Je erregter Rudi wurde, um so gelassener blieb der andere.

Im Kinderzimmer, aus dem während der ganzen Zeit Rollen der Kugeln und das Klappern der Kegel hereingeschallt war, ertönte das laute Schreien Trudchens. Fröhlich erinnerte sich sofort wieder der übernommenen Verpflichtung und blickte besorgt hinein. Zu gleicher Zeit wurde die Tür zum Schulzimmer geöffnet, ohne daß man jemand sehen konnte. Dafür erschallte aber Walters Stimme, die schon in einem der Vorderzimmer laut wurde. »Mama, komm doch nur! Rasch! Rudi beschimpft den Herrn Kandidaten!«

»Ach, Du bist nicht recht gescheit,« ließ sich eine volle weibliche Stimme vernehmen.

Es folgte noch die heftige Gegenrede Walters; dann, nach kaum einer halben Minute, kam die Gerufene herangerauscht und füllte mit ihrer imposanten Figur fast ganz den Türrahmen aus.

III.

»Aber Rudi —! Herr Kandidat —! Wie kann man sich nur so hinreißen lassen!«

Vorwurfsvoll ging ihr Blick von einem zum andern, aber doch mit einem gewissen ungleichen Ausdruck. Rudi wurde ziemlich streng bedacht. Fröhlich jedoch empfing ein sanftes Lächeln, aus dem die Gnade zu lesen war, die sie ihm schon vorher auf alle Fälle zu teil werden lassen würde.