»Ehrt mich ungemein, Herr Bankdirektor.«
»Haben Sie Zeit, sich uns ein wenig anzuschließen?« warf Kornelia rasch ein, einen Blitz in ihren Augen, den Frank allein verstand.
»Es wird mir ein großer Vorzug sein, meine Gnädige, wenn die Herrschaften nichts dagegen haben —.«
»Im Gegenteil, ich bitte sehr darum, Herr Leutnant,« fiel Roderich ihm höflich ins Wort. »Der Vorzug ist ganz auf unserer Seite.«
Er hatte plötzlich das Zahlenreich sehr weit hinter sich und war völlig in seine Umgebung zurückgekehrt. Als kluger Mann, der stets daran gewöhnt war, mit Tatsachen zu rechnen, hatte er sofort den Vorgang in seiner ganzen Bedeutung erfaßt und wollte nun sehen, wie sich das weiter entwickeln würde. Es gehörte für ihn nicht viel dazu, um zu merken, daß diese Begegnung eine hübsch erdachte Falle war, in die seine Frau sowohl als er in aller Gemütlichkeit hineinplumpsen sollten, namentlich Agathe, die ein Gesicht machte, als wäre sie aus der schönsten rosigen Wolke in dieses Menschengewühl gefallen und fände sich noch nicht zurecht.
Das Pärchen ging vor ihnen, und aus beider Mienen ergänzte er sich, was ihm an seiner Vermutung noch fehlte. Und langsam kam ihm die Andeutung ins Gedächtnis, die seine Frau über diese Bekanntschaft gemacht hatte, der aber von ihm keine besondere Bedeutung beigelegt worden war. Was für ein sonderbares Wesen, diese Kornelia, die ihm wieder ein neues Rätsel aufgab! Aber diesmal schien auch gleich die Lösung zu kommen, die in einem schmucken Leutnant mit auffallend überlegenen Manieren bestand. Recht so, daß sie sich über den Sauerteig ihres Daseins erhob und ihrer natürlichen Bestimmung zustrebte!
»Ich bin außer mir,« sagte Agathe endlich.
»Liebes Kind, das braucht nicht alle Welt zu hören,« raunte er ihr gutmütig zu. »Mach nur hier keine Szene! Bleibe hübsch in Dir!«
»Du steckst natürlich mit ihr unter einer Decke!« fuhr sie aufgebracht fort, aber doch gedämpfter.
Roderich lachte leicht. »Natürlich, natürlich! Das hörte ich schon im Geiste. Es würde nichts helfen, wenn ich Dir sagte, daß ich ebenso perplex bin, wie Du. Deshalb tu ich's erst gar nicht.«