»Er hatte vielleicht ein böses Gewissen, Mama,« sagte Kornelia und erhob sich mit den Kindern, da sie fertig mit dem Essen war. Er lachte spöttisch hinter ihr her und rief ihr nach: »Na, mit Deinem Leutnant nehm ich's noch auf.«

»Renommiere nur nicht zu früh,« war ihre Antwort, bevor sie die Türe schloß.

Er war kaum in seinem Zimmer und hatte die Karte gelesen, als auch schon der Diener kam und zum zweiten Male denselben Herrn meldete, der unten im Empfangssalon warte. Rudi konnte nicht anders, er mußte hinunter. Zuvor aber warf er einen Blick in den Spiegel, zog seine kleinen Taschenbürsten hervor, strich sich die Haare glatt und versuchte auch dem kleinen Schnurrbärtchen die möglichste Form »Es ist erreicht!« zu geben.

Unten erwartete ihn ein sehr forsch aussehender junger Mann mit einem Schmiß auf der Stirn, der in einem hellgrauen Anzug steckte und es für nötig gefunden hatte, weder Hut noch Stock wegzulegen.

»Referendar Kurz,« stellte er sich mit einer gemessenen Verbeugung vor.

Rudi machte einen erhabenen Kopfnicker. »Darf ich bitten, Platz zu nehmen?«

»Danke sehr. Unsere Angelegenheit kann im Stehen erledigt werden. Ich komme im Auftrage des Herrn Leutnants Frank. Es dürfte Ihnen nicht unbekannt sein, worum es sich handelt.«

Rudi spielte den Verblüfften. »Keine Ahnung, Verehrtester.«

»Ich muß jede Vertraulichkeit zurückweisen. Sie haben sich gestern gegen das Fräulein Schwester meines Herrn Auftraggebers eine tätliche Beleidigung erlaubt, wofür auf alle Fälle Genugtuung gefordert wird. Ob Sie sie zu geben imstande sind, entzieht sich noch meiner Kenntnis. Aber ich möchte um eine bestimmte Erklärung darüber ersuchen — um eine ganz bestimmte.«

Rudi war blaß geworden, seine Sicherheit sank, aber sein Hochmut kam nun stammelnd zum Ausdruck. »Ich verstehe Sie ganz und gar nicht. Mir alles schleierhaft, was Sie da sagen.«