»Sie leugnen also?«
»Leugnen? Ich muß mir einen derartigen Ausdruck verbitten, denn ich war gar nicht zu Hause. Habe erst heute davon erfahren.«
»Können Sie mir das mit Ihrem Ehrenwort versichern?«
»Ich gebe Ihnen durchaus nicht die Berechtigung, eine derartige Frage an mich zu richten.«
»Sie leugnen also doch?« fuhr der Referendar kalt fort.
Rudi sah nach der Uhr und nahm eine herausfordernde Stellung ein. »Ich verbitte mir jede anzügliche Redensart. Was wünschen Sie also?«
»Vor allem eine bestimmte Erklärung darüber, ob Sie die tätliche Beleidigung gestern zugeben.«
»Ich habe Ihnen bereits gesagt, daß ich von der ganzen Angelegenheit nichts weiß. Ich bedaure sehr, meine Zeit ist gemessen!«
»Das genügt mir vorläufig. Ich werde meinem Auftraggeber davon Mitteilung geben.« Referendar Kurz machte denselben gemessenen Kopfnicker wie zuerst und entfernte sich.
Kornelia stand im Verandasaal und hatte alles mit angehört. Sie war Emil gerade begegnet, als er mit der zweiten Karte zu ihrem Bruder hinaufstieg, war diesem vorausgeeilt und hatte ahnungsvoll hier Platz genommen. »Pfui, was bist Du für ein schlechter Mensch,« sagte sie, noch zitternd vor Erregung. »Weißt Du, wie die Studenten so etwas nennen? Kneifen! Wirklich zuviel Ehre, die man Dir antut. Jetzt aber sitzt Du in der Schlinge. Morgen kommt der Herr sicher wieder, und dann wird's mit Deiner Feigheit ein Ende haben.«