Er nickte ihr freudig zu. »Möchte ich auch. Es wird immer eine Kanaille geben, die sie verdient. Weshalb steckt er so etwas feige ein? Es war nur Revanche von mir.«
»Oft ist Anstand der größere Mut,« sagte Kornelia nur noch kurz. Dann nahm sie die Kinder mit in ihr Atelier.
Kaum war Frau Roderich mit ihrem Sohne allein, als sie ihn ankeifte: »Warte nur, heute sollst Du es einmal zu hören bekommen! Dein Betragen übersteigt alle Grenzen. Gleich wenn Papa nach Hause kommt, erzähle ich's ihm.«
Das sagte sie immer, ohne es auszuführen. Und da er sich bereits an diese leere Drohung gewöhnt hatte, lächelte er nur dazu.
»Du treibst uns noch den besten Lehrer aus dem Hause,« fuhr sie erregt fort.
»Ich? Aber gutes Ma'chen, ich bitte Dich! Das kann doch Dein Ernst nicht sein. Wenn er mal flieht, tut er's gewiß vor jemand anderem.«
»Manchmal bist Du ein rechter Ekel.«
»Ach, ich bin ja doch Dein lieber Rudi. Komm, gib mir 'nen Kuß!«
»Laß mich zufrieden! Aendere Dich endlich! Du tyrannisierst uns alle.« Aber sie meinte es nicht mehr so ernst, denn sie fühlte sich bereits wieder schwach, und so eilte sie mit gemachter Entrüstung hinaus.
Rudi trat leise pfeifend auf den Balkon. Er war mit sich zufrieden, denn er hatte heute vier Menschen in die Flucht geschlagen, und das genügte ihm. Immerhin etwas von einem »dummen Jungen«! Aber sein vergnügtes Lachen erstarb sofort im Ingrimm bei dem Gedanken an diesen Ausspruch. Das mußte seiner Meinung nach ganz besonders bestraft werden, aber mehr durch Süßigkeiten als durch Bitternisse, oder durch beides. Wie man's nehmen wollte!