Der Hauslehrer fand dieses Vergnügen etwas gewagt, zog vielmehr den Jungen zu sich empor und bekam zur Belohnung eine kleine Sandladung auf Rockschoß und Stiefel. »Mein Sohn, Du darfst nicht unartig sein,« sagte er vorwurfsvoll und klopfte sich den Staub von der Kleidung.
»Onkel Fröhlich, spiel mit uns, Fräulein ist bei Rudi,« sagte der Junge wieder. »Grab doch auch 'ne Höhle!«
»Ein andermal, mein Sohn,« gab er freundlich zurück.
Trudchen kam herangewackelt und streckte ihm das schmutzige Händchen entgegen.
Er überlegte gerade, wie er sich die Kinder abschütteln könnte, als er hinter sich wieder das bekannte unausstehliche Lachen hörte, dem die Worte folgten: »Sie haben ja gute Vertretung gehabt. Ich gratuliere. Mamas Auftrag ist also erledigt, ich kann gehen.«
Roderich junior lüftete leicht den Hut, entfernte sich und ließ Fräulein stehen. Fröhlich tat so, als bemerkte er ihn nicht, aber er hörte neben dem Spott die Absicht aus den Worten, das Zusammentreffen für andere Ohren durch eine Ausrede zu entschuldigen. Als er sich dann aber umblickte, sah er das gerötete Gesicht Fannys, das vor Freude strahlte. »Guten Tag, Herr Kandidat. Das ist aber nett, daß Sie auch mal hier sind,« sagte sie freundlich, noch mit einer halben Wendung nach rückwärts. »Denken Sie nur nicht wieder Schlimmes von mir, aber ich konnte ihn nicht los werden. Kaum saß ich hier, da tauchte er schon auf und winkte. Und ich ging, um kein Aufsehen zu machen.«
»Ich denke durchaus nichts Böses von Ihnen, Fräulein,« erwiderte Fröhlich freundlich, nachdem er höflich den Hut gezogen hatte. Er hätte ihr gern die Hand gereicht, aber er wußte nicht, ob es ihr recht wäre.
»Er sagt immer, er hätte mir etwas Schönes zu erzählen. Heute war es wieder eine Neuigkeit. Es betrifft Sie, ich wage es Ihnen gar nicht zu sagen. Wenn Sie mir aber Ihr Versprechen geben wollen —.«
»Das haben Sie unter allen Umständen,« sagte er mit derselben Wärme.
»Sie sollen in seine Mama verliebt sein und hätten das Unsinnige eingesehen. Deshalb hätten Sie den Mittagstisch und die musikalische Unterhaltung aufgegeben.«