Fröhlich zerbrach sich aber nicht länger den Kopf darüber; er hielt es für besser, sich gar nicht zu zeigen, sondern in Ruhe abzuwarten, bis sie gehen würden. Lange konnte das nach Kornelias Andeutung nicht dauern.

Die beiden am anderen Tisch plauderten ruhig weiter. »Wie geht's meiner Schwester?« fragte Frank. »Sie würde schöne Augen machen, wenn sie uns hier sitzen sähe, meinen Sie nicht?«

Kornelia lachte leicht auf. »Vielleicht ahnt sie schon etwas. Ich habe ihr nämlich Ihren Gruß bestellt ... Wie wär's, wenn Sie sich einmal persönlich nach ihrem Befinden erkundigten, Sie stolzer Marsjünger? Es geht ihr übrigens gut.«

»Durch Ihre Aufopferung, gnädiges Fräulein. Es ist ja brüllend-rührend, wie sie von Ihnen schreibt.«

»Dafür soll sie einen Verweis bekommen.«

»Aber nicht zu hart, wenn ich bitten darf,« wandte Frank gutmütig neckend ein. »Schon kein Vergnügen für sie, Fräulein zu spielen. Na, und mir macht's erst recht keinen Spaß. Ich war immer dagegen. Aber hören die Mädels denn? Sie müssen immer gleich weg von Muttern, sogenannte Selbständigkeit sich erringen. Nette Selbständigkeit, wenn der Bruder darunter am meisten zu leiden hat. Deubel ja!«

»Fluchen Sie nicht, es kleidet Sie nicht!«

»Es ist wahr, verehrtes gnädiges Fräulein,« fuhr er fort. »Ich bin Aktiver, und sie geht mit fremden Kindern spazieren! Verzeihung — hoffentlich werden mir diese reizenden Kleinen bald näher gerückt. Aber es ist doch so. Wenn man nichts davon sieht, läßt man die Karre ruhig gehen. Ist ja bei hundert anderen Mädels aus guter Familie auch so. Da sind die Töchter von Exzellenz Hübner, alter verdienter General gewesen, entfernter Verwandter von uns. Alle drei Lehrerinnen. Was haben sich die Mädels gesträubt, in Kommunalschuldienst zu treten! Jetzt haben sie's längst überwunden. Kriegen besser von der Stadt bezahlt, wie sie sagen. Obendrein pensionsberechtigt. Wenn sie aus der Schule kommen, lüften sie immer die Kleider aus. Sie sind aber ganz kreuzvergnügt dabei: Brot schmeckt eben süß.«

»Es ist doch auch keine Schande, Herr Leutnant, es sich ehrlich zu verdienen.«

»Sicher nicht, meine Gnädige. Das soll ja auch alles sein, wenn's unsern bunten Rock nur nicht geniert. Immer besser noch, die armen Mädels bleiben in der Häuslichkeit, als wenn sie in die Komptoirs und in die Bureaus laufen, oder gar zu Hause verschämte Armut treiben, nur kollidieren dürfen sie nicht mit uns. Dann wird's natürlich uns zur Last gelegt.«