»Ich würde das niemals tun, Herr Leutnant.«

Frank machte einen verbindlichen Kopfnicker. »Das ehrt Sie ungemein, mein gnädiges Fräulein; aber so denken nicht alle Menschen, die es angeht. Was würde zum Beispiel Ihre gnädige Frau Mama oder Ihr verehrter Herr Papa sagen, wenn Leutnant Frank bei ihnen um die Hand ihres Töchterleins anhalten würde, derselbe Leutnant Frank, dessen liebe, gute Schwester — und das ist sie wahrhaftig — im selben Hause sozusagen Halbdienerin ist?«

»Nichts würden sie sagen,« warf Kornelia altklug ein. Trotzdem war sie rot geworden, denn da ihr Herz fortwährend mitsprach, war diese Deutlichkeit ihr sehr nahe gegangen. Er hatte schließlich nur ihre Gedanken wiedergegeben, und so war ihre Antwort nur der Ausdruck ihrer Verlegenheit.

Er lächelte überlegen. »Nichts — das habe ich mir auch gedacht. Ihre Herren Eltern würden eben sprachlos sein. Zuerst über die Kühnheit des Mitgiftjägers, — Verzeihung, ich gebe ja nur die Gedanken anderer wieder — und dann über die Anmaßung aus verwandtschaftlichen Gründen. Kenne ich. Solche Märchen erzählen wir uns im Kasino, und wenn der Ausgang uns nicht paßt, dann wird geflucht und geschimpft. Besser wird's dadurch ja nicht, aber es gibt Erleichterung ... deshalb sage ich, mein liebes, wertes Fräulein Kornelia, — ich darf Sie doch so nennen? — wenn mir der Aufstieg erleichtert werden soll, ohne zu große nebulose Aussicht, dann muß Fanny Plätzchenwechseln spielen. Sie muß fort von Ihnen.«

Die große Zeitung am Fenster bauschte sich plötzlich nach vorn, gleich einem Segel, in das der Wind gefahren ist. Diese Bewegung kam von einem unmutigen Kopfschütteln Fröhlichs, der mit dieser Ansicht durchaus nicht einverstanden war. Er hatte zwar nicht alles vernommen, da das Sprechen zeitweise zu einem Flüstern sank. Zuletzt jedoch, als Erregung aus den Worten klang, hatte er jede Silbe gehört. Beinahe hätte er das Schiff ins Wanken gebracht. Zum Glück aber beherrschte er sich sofort und zog das Segel wieder an, so daß seine Aufregung unsichtbar blieb.

»Das kommt vielleicht bald, ohne Ihren Willen,« warf Kornelia ein. »Was sagen Sie dazu — sie hat einen Anbeter gefunden, und einen ganz ehrlichen obendrein.«

»Sieh einer diese Muckerin,« sagte Frank ganz verblüfft. »Davon schreibt sie natürlich nichts! Hat er denn was?«

»Schöne Aussichten.«

»Also gerade wie ich?«

»Ganz so schön sind sie nicht,« fuhr Kornelia fort. »Es ist nämlich unser Herr Kandidat, der in sie verschossen ist.«