»Nun aber hören Sie mich mal vernünftig an, Herr Leutnant,« sagte Kornelia nach einem Weilchen wieder. »Wir müssen uns offiziell nähern, so ganz ohne Zwang, hübsch öffentlich, wenn meine Eltern dabei sind.«
»O weh, ich zittere,« wandte Frank ein.
»Dann binden Sie sich eben den Degen um,« erwiderte sie heiter. »In Uniform macht sich das auch viel besser. Imponiert viel mehr. Nächsten Donnerstag im Zoologischen. Zwischen acht und neun. Wir gehen durch die Lästerallee, und Sie schwirren vorüber und grüßen. Unauffälliges Anreden von mir, höfliche Verbeugung von Ihnen und notgedrungene Vorstellung meiner Eltern. Dann die üblichen Verlegenheitsredensarten, und das übrige wird sich finden. Erkundigen Sie sich nur recht lange nach dem Befinden Fannys und bleiben Sie zäh an meiner Seite! Für die Leutseligkeit von Papa werde ich schon sorgen. Und wenn er Sie dann zu einem Glas Bowle auf der Terrasse einladet, dann bitte ich um etwas Annahme. Das kann ja alles so den Anschein von Interesse für Schwesterchen haben.«
»Wird gemacht. Sie sind die größte Diplomatin, die ich kenne.«
Sie lachte. »So etwas lernt sich auf dem glatten Parkett unserer lieben Gesellschaft. Dann wimmelt man sich so geistig durch und steigt über den Horizont der Eltern ... Können Sie übrigens singen?«
»Noch nicht. Aber wenn Sie's befehlen, lerne ich's noch.«
»Na, dann verschweigen Sie ihre Talentlosigkeit lieber und heucheln Sie Verständnis, Mamas wegen. Kaufen Sie sich einen Opernführer, ich habe auch einen. Heutzutage vergißt man alles so schnell, daß man durch sogenannte Kunstextrakte auf der Höhe bleiben muß. Wenn Sie nun gar noch für Operetten schwärmen, dann erklärt Sie gleich Mama für den nettesten Menschen dieses Jahrhunderts.«
»Da es neu ist, soll es noch nicht viele geben,« warf er selbst spöttisch ein. »Sie sind nicht nur das schönste, sondern auch das klügste Mädchen, das ich bisher kennen lernte. O, Kornelia, wenn Sie wüßten —!«
Sein hübsches Gesicht strahlte vor Begeisterung, seine Augen leuchteten, und er war nahe daran, nach einem raschen Aufblick nach rechts und links mit zu großer Zärtlichkeit ihre Hand zu drücken, als sie ihn in die nötigen Grenzen wies.
»Herr Leutnant, hübsch artig! Ich bin kein sogenanntes Schlagsahnen-Rendezvous, wie wir im Pensionat immer sagten.«