»Aber eine Göttin sind Sie!«

»Dann also Ehrfurcht ... Nun wird's aber Zeit! Jeder bezahlt hübsch für sich. Es könnte vorn doch jemand sitzen, der mich kennt, dann gehe ich zuerst hinaus, und Sie folgen hübsch!«

»Sie sind von bezwingender Selbständigkeit, ich muß also gehorchen.«

»Gott sei Dank,« stöhnte Fröhlich in Gedanken, als er das Geräusch des Erhebens hörte.

Einige junge Männer waren laut schwatzend hereingetreten, und so hatte auch Kornelia ein Gefühl der Erlösung, als sie, den Sonnenschirm im Arm, sich rasch die Handschuhe überstreifte.

Der Kandidat wagte es endlich, das Gesicht ein wenig hervorzustrecken, um ihren Anblick noch zu erhaschen. Wirklich drehte sie ihm schon den Rücken, und er konnte noch rasch ihre schöne Figur bewundern, die in dem hellen Foulardkleid ganz besonders hervortrat. Dann aber ließ er aus Unachtsamkeit die Zeitung fallen, und das geschah gerade in dem Augenblick, als er sah, wie sich Kornelia hinter der Glastür noch einmal umwandte und flüchtig einen Blick zurücksandte. Sie reckte den Hals, und dann war es ihm, als blickten unter dem kühnen Sommerhut ihn starr zwei große Augen an.

War es eine Uebertragung seines Schreckens auf sie, oder hatte er sich nur getäuscht? Er wußte es nicht. Aber er hatte das dumpfe Gefühl, noch zuletzt eine große Dummheit begangen zu haben, die sich sicherlich rächen würde. Dann aber wehrte er diese Einbildung ab, denn Kornelia kehrte nicht zurück, wie er es erwartet hatte. Also hatte er sich aufs neue unnütze Kopfschmerzen gemacht. Aber wie entstiegen einem Dampfbad, zog er sein Taschentuch und fuhr sich damit über die heiße Stirn. Es war auch wirklich warm im Zimmer, namentlich nachdem sich die Sonnenstrahlen durch die Scheiben andauernd gerade seine Ecke ausgesucht hatten. Und er hatte das Segel nicht nach dieser Richtung spannen dürfen!

XII.

Fröhlich hatte keine Lust mehr zum Lesen, und so ging er nach Hause, um in Ruhe die Eindrücke der letzten halben Stunde zu verarbeiten. Er war deshalb froh, den Bruder nicht vorzufinden, der sich mit einem Schulfreunde verabredet hatte, irgendwo umherzutollen. Kaum aber hatte er es sich in seinem Zimmer bequem gemacht, als es laut klingelte und ihm gleich darauf Frau Rettig die Karte eines Herrn hereinbrachte, der ihn dringend zu sprechen wünschte.

»Kurt Frank. Leutnant im 35. Füselierregiment Prinz Heinrich von Preußen, kommandiert zur Schießschule in Spandau,« las er, schlüpfte schnell wieder in seinen Rock und ließ um die Ehre zum Nähertreten bitten. Dann zupfte er noch schnell an dem schwarzen, knöpfte ihn mit genialer Bewegung zu, strich liebevoll über die schlanke Taille und warf musternd einen Blick in den etwas zu klein geratenen Spiegel über der Kommode. Und sofort zufrieden mit sich, kreuzte er die Hände über dem Rücken und blieb mitten im Zimmer stehen, den Blick erwartungsvoll auf die Tür gerichtet.