»Ganz auf meiner Seite, Herr Kandidat,« beteuerte Frank mit derselben Offenheit. »Bitte aber auch meinem Schwesterchen gegenüber um etwas Diskretion. Die Kleine schreibt nämlich gerne acht Seiten lange Briefe.«

Fröhlich lachte. »So. Davon weiß ich allerdings nichts. Ich wüßte auch kaum, wo sie dazu die Zeit im Hause Roderich hernehmen sollte.«

»Wird wohl ordentlich angespannt, der arme Wurm, wie? Na, das soll sich ja bald ändern.«

Der Kandidat glaubte, etwas lügen zu müssen, um dieser auch ihm drohenden Gefahr zu entgehen. »O, das kann ich eigentlich nicht sagen, Herr Leutnant,« warf er lebhaft ein und rieb sich die Finger, was ebenfalls eine Begleiterscheinung seiner Unterrichtsart war. Dabei hob und senkte er sich wieder auf seinen Sohlen. »Sie hat es eigentlich im Durchschnitt ganz gut bei uns, sie befindet sich sozusagen in angenehmer Stellung. Ich bin überzeugt, sie würde nicht gern das Haus verlassen.«

»So,« sagte Frank mit scheinbarer Verblüffung. »Darüber ist nie etwas aus ihr herauszukriegen. Aber vielleicht hält sie was ganz Besonderes zurück?«

Leichte Röte stieg in das Gesicht des Kandidaten, während er einige Bücher auf dem Tisch gerade schob. »Das entzieht sich meiner Kenntnis, Herr Leutnant,« erwiderte er ausweichend.

»Auf alle Fälle dürfen Sie stets auf meine Gegendienste rechnen, Herr Kandidat,« sagte Frank wieder und schickte sich nun zum Gehen an, denn wiederholt hatte Fröhlich die große silberne, kettenlose Uhr, aus der Westentasche geholt, auf die er zerstreut einen Blick warf. »Ich habe Ihre kostbare Zeit jedenfalls schon zu lange in Anspruch genommen.«

»O bitte, o bitte, keineswegs,« warf Fröhlich ein, der Franks Gedanken erriet. »Sie brauchen sich daran nicht zu stoßen, wenn ich so oft nach der Uhr sehe. Das geschieht ganz unbewußt, das ist so eine Angewohnheit während des Unterrichts, um zu sehen, ob es bald Zeit zu einer andern Lektion sei, das haben viele Schulmeister an sich.«

Frank lachte gutmütig. »Sie haben wohl noch einen weiten Weg bis zum hohen Lehramts-Olymp, wie?« fragte er dann, schon an der Türe.

Fröhlich kraute sich in seinem dünnen Bart. »Ich hoffe stark, Herr Leutnant, mich bald höherer Schulamtskandidat nennen zu dürfen.« Plötzlich aber packte ihn die Anwandlung, die gerade bescheidene Naturen zuweilen überkommt, wenn sie eine sie kränkende Sache nicht vergessen können. »Und ich gebe mich dabei der angenehmen Hoffnung hin, noch vor Methusalems Alter zu Amt und Würden zu kommen.«