Er lachte, und Frank lachte mit, aber wie jemand, der dazu gekniffen wird. Sofort aber erhielt er sein Gleichgewicht wieder. Mit einem großen Schwung reichte er ihm die Hand und sagte herzlich: »Na, dann viel Glück auf diesem Weg, Herr Kandidat! Ich scheide mit einem ›Auf Wiedersehen!‹«
Er verbeugte sich nicht mehr so gemessen, wie bei seinem Erscheinen, und ging, von Fröhlich bis zur Außentür begleitet.
Frau Rettig stand bereits auf der Lauer und brachte ihrem Mieter ein frisches Handtuch herein, um nebenbei ihre Neugier zu befriedigen. Da sie etwas kurzsichtig war, so hatte sie die Karte vorhin nicht lesen können, was sie schon längst lebhaft bedauerte.
»Ein schmucker Herr. Wohl ein neuer Schüler, Herr Kandidat? Der wird wohl gut zahlen können.«
Fröhlich ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab, als wollte er die Zeit einholen, die ihm vorausgeeilt war. Endlich kam er doch zur Erkenntnis, nicht allein zu sein. »Es gehen große Dinge vor, meine beste Frau Rettig,« sagte er endlich. »Wenn Sie wüßten, wer das war! Ich muß aber Diskretion wahren.«
»So verschwiegen waren Sie ja selten.«
»Diesmal kann ich aus meiner Reserve noch nicht heraustreten, beste Frau Rettig. Haben Sie die Güte mir etwas frisches Wasser in der Karaffe zu bringen.«
Frau Rettig schnüffelte im Zimmer herum, indem sie hier und da etwas ordnete, die Nase aber immer auf den Sofatisch und auf die Kommode hielt, um die Visitenkarte zu entdecken. Sicher würde sie schon noch später dahinterkommen. Aergerlich räusperte sie sich sehr deutlich, griff zur Karaffe und schlürfte hinaus, Groll im Herzen gegen den Mann, dem sie so oft über schlechte Zeiten hinweggeholfen hatte.
Am andern Vormittag, als der Lateinunterricht gerade beendet war und der Kandidat auf einige Augenblicke nach dem hinteren Korridor ging, hörte er unterdrücktes Weinen. Schon vorher war ihm eine gewisse Aufregung nicht entgangen, die die Hausgeister in Bewegung setzte.
Frau Agathe hatte ihren kleinen Tobsuchtsanfall, der stets nach einem schlechten Schlaf besonders zum Ausdruck kam. Die Gesellschaft gestern war spät geblieben, und so hatte die Gnädige ihre nervösen Nachtstunden gehabt, in denen sie die Uhren bis zum frühen Morgen schlagen hörte, wie sie jammernd behauptete. Der Bankdirektor hielt das zwar stets für die Folgen des späten Genusses von Hummer, den sie nicht vertragen konnte, sie jedoch wollte davon nichts wissen, legte es ihm vielmehr zur Last, daß er Leute einlade, die niemals gingen.