»Ich habe schon wieder das Allerneueste gehört,« sagte Kornelia, als sie zu Fanny ins Zimmer getreten war. »Ich habe mit Mama tüchtig gezankt. Es ist ein geradezu krankhafter Zustand von ihr, überall Gefahren zu sehen. Es wird Zeit, daß Papa einmal ordentlich dazwischen fährt. Es soll sich alles ändern, Sie arme Kleine, Sie!«
Gern hätte sie ihren Gefühlen mehr Luft gemacht, aber so konnte sie ihre Güte und Freundschaft nur durch einen Kuß auf die Stirn beweisen.
Fanny war durch diese herzliche Teilnahme so überrascht, daß sie gar nichts zu sagen vermochte. Ein anderer Gedanke bewegte sie auch viel stärker. »Ist Herr Fröhlich schon fort? Es war mir recht peinlich, daß er den Kopf hier hereinsteckte. Das gibt dann wieder zum Reden Veranlassung. Aber er ist ein so guter Mensch.«
Kornelia lächelte. »Ja, das ist er. Peinlich ist's Ihnen wohl auch nur, weil's hier im Hause geschieht, wie?«
»Aber Fräulein Neli! Wie können Sie so etwas sagen! Ich sehe schon, jetzt komme ich auch bei Ihnen in Verdacht.«
»Aber nein, nein, meine Kleine. Einmal müssen wir Mädchen doch unser Herz entdecken. Haben Sie noch niemals diesen Versuch gemacht?«
Fanny blickte sie starr an, als hätte sie etwas Entsetzliches gehört. Dann aber dämmerte es ihr. »Mit Herrn Fröhlich wohl? Weil ich neulich mit ihm im Zo zusammengesessen habe? Wahrhaftig, ich war unschuldig daran! Es war der reine Zufall. — Nun schwant es mir erst. Nein, was man alles erlebt!«
Sie wollte lustig sein, aber es gelang ihr nicht. Das Lachen blieb ihr in der Kehle stecken, denn es würgte etwas in ihr, was ihr die Augen wieder klein machte, als drängten sich aufs neue Tränen hervor. Der Ernst erstickte die Heiterkeit, und so bot sie ein rührendes Bild der Unbeholfenheit, wie oft bei jungen Mädchen, die man auf Gefühle gebracht hat, über die sie sich im Augenblick noch gar nicht klar sind.
»Aber deshalb weint man doch nicht,« ermahnte sie Kornelia liebevoll, zog sie an sich und streichelte ihr die Wange.
»Es ist ja vielleicht dumm von mir, Fräulein, aber mir geht das alles nahe. — Ich weiß ja nicht —. Ich kann Ihnen nur sagen, mein Kopf ist ganz wirr. Ich kenne mich selbst nicht. Am liebsten möchte ich laut heulen.«