Fröhlich fand nur eine stumme Verbeugung dazu. Peinlich wurde ihm der Auftrag erst, als sie nach ihrer schillernden Geldbörse suchte, denn gern hätte er gesagt, er werde den Betrag auslegen, aber er scheute die hohe Summe, die in Vergessenheit hätte geraten können. Je größer die Häuser waren, je öfter ging man über solche Kleinigkeiten hinweg.

Sie hatte sich erhoben und suchte auf dem Tischchen umher. Plötzlich sah er, daß sie hinkte.

»Ich glaube, ich habe mein Portemonnaie im Speisezimmer liegen lassen ... Nun ist mir auch noch dieses Malheur passiert. Denken Sie nur, ich habe mir vorhin den Fuß verstaucht. Wollen Sie mich nicht ein wenig stützen?«

Es war zwar kein wahres Wort daran, aber sie wollte nun einmal von ihm geführt werden. Und so tat er es mit Worten des Mitgefühles, erriet aber ihre Absicht. Und als er ihren vollen Arm an dem seinigen fühlte, so dicht, daß er fast ihren Atem verspürte, stöhnte es abermals in ihm auf: »Ein fürchterliches Weib!«

Kaum im Speisezimmer angelangt, entdeckte sie plötzlich die Börse in ihrer Tasche und reichte ihm ein Zwanzigmarkstück. »Ach, führen Sie mich doch zum Instrument,« flötete sie abermals, diesmal mit dem Ausdruck noch größeren Schmerzes. Sie verband die Absicht damit, ihn sanft wieder zur Stelle ihrer beiderseitigen musikalischen Triumphe zu schleifen, um den Genuß zu haben, ihn wenigstens wieder einige Töne anschlagen zu hören. Vielleicht ließ er sich dadurch auf fünf Minuten fesseln und bewegen, die Proben allmählich wieder aufzunehmen.

In diesem Augenblick, als sie an der Seite des Kandidaten gerade mitten im Zimmer war und die Nähe seiner Schulter ganz besonders suchte, kam ihr Mann eilig die Wendeltreppe herauf und blieb auf der vorletzten Stufe verblüfft stehen. Er hatte sich nur kurze Zeit in der Bank aufgehalten und war um diese ungewöhnliche Zeit nach Hause zurückgekehrt, da er wichtige Papiere gebrauchte, die er im Geheimfach seines Schreibtisches verwahrte.

Den Kandidaten durchfuhr ein tödlicher Schreck, und sofort verrenkte er sich zu einer tiefen Verbeugung. Am liebsten hätte er sich einige Meilen fortgewünscht; denn obgleich er ein reines Gewissen hatte, fühlte er sich mitschuldig an diesem Aufzug.

Der Bankdirektor machte ein Gesicht, aus dem zunächst der größte Weise nicht hätte klug werden können, dann aber, als er die trostlose Miene des Kandidaten sah, erinnerte er sich sofort der unberechenbaren Launen seiner Frau und sagte spöttisch: »Ich störe die Herrschaften doch nicht? Ich denke, die Konzerte sind aufgehoben?«

Fröhlich, dem der Angstschweiß auf die Stirn trat, fand sofort einen Ausweg aus seiner Pein. »Gnädige Frau haben befohlen.«

Roderich lachte und kam ganz herauf. »Das kann ich mir denken, Herr Kandidat.« Dann aber wurde er ernst, als Agathe, die sofort ihre Beherrschung fand, auf ihren Fuß hinwies, mit einer so tragischen Gebärde, daß er an die Verletzung glauben mußte. Schwer ließ sie sich auf den Klaviersessel fallen. Der Kandidat jedoch, der sich wie erlöst von hartem Joch fühlte, verbeugte sich nach beiden Seiten und verließ das Zimmer.