»Na, denn kann ich ja wieder gehen, Mama,« warf Rudi patzig ein. »Wenn Du so bist! Ich wollte Dir gerade eine große Neuigkeit mitteilen ... Na, denn nicht.«

Neugierig geworden, hielt sie ihn zurück; denn sie brachte seine Andeutung mit seinem Besuche in Fannys Zimmer zusammen und hatte sich auch nicht getäuscht.

»Hat es denn wirklich brandig gerochen?« fragte sie ängstlich.

»Aber sicher, Mama; deshalb habe ich mich ja auch nur dahin verirrt. — Denk mal an, was ich entdeckt habe. Die Photographie von Fräuleins Bruder hat große Aehnlichkeit mit dem Leutnant, der neulich mit Kornelia sprach. Ich möchte beschwören, daß er's ist.«

»Ach, Du bist nicht recht gescheit. Das setzte ja allem die Krone auf!« Sie vergaß ganz, das Leiden weiter zu heucheln, und ging mit ihren gewohnten wuchtigen Schritten vor ihm auf und ab.

Rudi hielt ihr Mißtrauen munter. »Na, weshalb denn die dicke Freundschaft zwischen Neli und Fräulein? Das hat doch etwas auf sich! Vielleicht hat die Frank das vermittelt? Natürlich purer Mitgiftjäger. Und einen kleinen Vogel hat ja Neli auch, wie alle Maleusen. Die möchte jetzt mit Gewalt einen Mann haben. Na, Du kannst Dich freuen. Die Schwester von Deinem Schwiegersohn war dann ›Fräulein‹ bei uns. Ist ja gerade keine Schande, aber angenehm auch nicht ... Ich ziehe mich dann zurück von Euch.«

»Ach, schwatze doch nicht solchen Blödsinn!« warf sie ärgerlich ein. »Den ganzen Tag beschäftigst Du Dich mit andern Leuten, statt mit Dir selbst. Es wird Zeit, daß Du auf die Presse kommst. Papa hat sich entschlossen, Dich anzumelden.«

Er hüpfte vor Freude. »Ach was! Das ist ja famos. Na, denn braucht Ihr keinen Schwiegersohn als Offizier, dann habt Ihr mich ja zur Zierde!« Sein Sprechen ging plötzlich in leichtes Schnarren über. »Uebrigens, Ma'chen, dann werde ich ja dem Belästiger Nelis mit der gehörigen Verve entgegentreten können. Natürlich suche ich mir ein Kavallerie-Regiment aus. Na, und dann kannst Du stolz sein auf mich, Ma'chen!«

Diese Aussicht bezwang sie, denn eigentlich war sie in ihn, trotz seiner Fehler, ebenso vernarrt, wie Kornelia vom Vater bevorzugt wurde. Sie trat auf ihn zu und faßte ihn scherzhaft an beiden Ohren. »Werde doch nun endlich einmal vernünftig, Rudi!« flötete sie ihn zärtlich an. »Du bist ein so schmucker Junge. Ich glaube, daß Dir die Uniform prächtig stehen wird. An Geld fehlt's ja Gott sei Dank nicht! Du wirst also alles mitmachen können. Nun bleibe aber endlich mal bei der Stange und mach uns Ehre!«

Einige Augenblicke lagen sie sich gerührt in den Armen, dann ließ sie ihn allein zurück, und er ging und holte sich Stöckchen und Hut, um nun dem Zoologischen Garten seinen Besuch zu machen, da er Fanny mit den Kindern hatte fortgehen sehen.