Getreu der Anregung des Hausherrn folgend, hatte der Kandidat bei seinem nächsten Vormittagsbesuch sich ebenso kurz als höflich gefaßt und durchaus keine Augen für ihre verführerische Stellung gehabt. Er fühlte, daß er jetzt sozusagen ein Rückgrat habe, und so war er förmlich und würdevoll näher getreten und hatte die Angelegenheit im Stehen erledigt.
Sie war der Meinung, daß die Ueberraschung im Musikzimmer an seiner Unruhe schuld sei, und versuchte ihm diesen Gedanken zu nehmen.
»Sie brauchen durchaus nicht in Angst zu schweben,« ermunterte sie ihn, »weil mein Mann neulich dazwischenkam. Er ist sehr dafür, daß wir die musikalische Unterhaltung wieder aufnehmen. Er wollte sogar mit Ihnen darüber sprechen. Es wird sich ja leicht eine Honorarverständigung erzielen lassen.«
Fröhlich hörte nur ihre frommen Wünsche heraus und ließ lächelnd diese Frage offen. Als sie dann aber zu ganz neuen Noten griff und ihn bat, sie einmal durchzulesen, wobei sie ihm über die Hand blickte, packte ihn wieder das stille Entsetzen, daß er neulich erst empfunden hatte, und so bat er sich das Blatt aus, nur, um schleunigst fortzukommen. In Gnaden entließ sie ihn, denn sie glaubte, nun wieder die alte Anteilnahme in ihm erweckt zu haben.
Als Fröhlich das Billet angeboten bekam, wagte er nicht, es abzulehnen, um so weniger, als er wußte, daß es sonst verfallen wäre. Ueberdies erfreute ihn die Gabe wirklich, denn er hatte »Die Meistersinger« nur einmal als Student gehört, und zwar vom »Olymp« aus, wo die Götter jedenfalls neidisch auf seine Anwesenheit waren, denn sie versperrten ihm jegliche Aussicht.
Der Genuß wurde ihm jedoch schon vorher etwas getrübt, als Frau Roderich hinzufügte: »Erzählen Sie mir nur gleich morgen, wie es war. Um elf empfange ich schon.«
»Sie läßt nicht locker,« stöhnte es in Fröhlich, »mit der einen Hand streichelt sie und mit der andern martert sie mich.«
»Haben Sie nicht neulich Auslagen gehabt?« fragte sie lächelnd. »Und wie ist's denn mit den Stunden heute abend? Die werden doch wohl ausfallen. Walter sagte mir, daß Sie jetzt einen Sekundaner hätten.«
Fröhlich redete sich aus, das sei nicht so schlimm, die Stunden würde er nachgeben. Flugs eilte sie zu dem kleinen Schreibtisch an der Wand, tat eilig etwas in ein Kuvert und klebte es zu.
»So, mein Bester! Hier ist das Billet drin, damit Sie's nicht verlieren. Ich habe gleich das Personenverzeichnis mit hineingelegt, damit sie keinen Theaterzettel zu kaufen brauchen. Ich bitte mir aber aus, daß Sie das Kuvert erst heute abend öffnen.«